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Viel Spaß beim Lesen.

Aktuelle Geschichte: Lesung und Tod (Regional-Krimi)

Letztes Update: Sonntag, 07.02.2016

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Zimmermann ermittelt (26) – Fisch statt Fleisch [Regional-Krimi]

Fisch statt Fleisch

Freitag, 25. März 2016, in den Abendstunden
Kommissar Zimmermann rülpste laut, als er die Pommesbude verließ.
»Geht doch nichts über eine ordentliche Currywurst mit Fritten.« Er streichelte seinen gefüllten Bauch und ging auf seinen Wagen. »Schade nur, dass es in Deilinghofen keinen Imbiss gibt.
Er wollte gerade einsteigen, als ihm ein Mann mit strenger Miene entgegen kam.
»Der Herr wird auch über dich am jüngsten Tag richten.«
Zimmermann sah den Mann nur verwirrt an und war zu keiner Antwort im Stande.
»Am Karfreitag ist Jesus, unser Erlöser umgebracht worden. Sie haben ihn ans Kreuz genagelt und dort verrecken lassen. Zum Gedenken an diesen grausamen Mord hat ein ordentlicher Christenmensch Verzicht zu üben: Kein Alkohol, keine Genussmittel und vor allem kein Fleisch. Am Freitag, vor allem am Karfreitag hat man Fisch zu essen.«
Er drückte dem Kommissar eine Broschüre in die Hand und betrat laut fluchend die Pommesbude. Dort ging er in ähnlicher Weise die anderen Kunden an.
»Seltsame Vögel gibt’s.«, wunderte sich Zimmermann nicht zum ersten Mal, seit er vor ein paar Jahren ins Sauerland gezogen war.

Ein paar Minuten später hatte er fast die wenigen Kilometer bis zu seiner Wohnung hinter sich gelassen. Die Begegnung nach dem Essen war dem Kommissar schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Fünfhundert Meter vor seinem Ziel  machte plötzlich der Wagen schlapp. Der Motor lief immer langsamer und ging schließlich stotternd aus.
»Verdammte Scheiße. Was soll der Mist?«
Zimmermann stieg aus, öffnete die Motorhaube und sah sich um. Der Ölstand war niedrig, aber nicht bedenklich. Die Kabel unversehrt, sämtliche Kontakte sauber. Er setzte sich also wieder hinters Steuer und kontrollierte sämtliche Anzeigen.
»Och nö. Warum muss das immer mir passieren?«
Der Sprit war leer. »Der hätte noch mindestens für zehn Kilometer reichen müssen. Wie soll ich denn jetzt zur Tankstelle kommen?«
Die nächste Tankstelle war eigentlich nicht weit. Bis zur Europastraße waren es nur ein paar Minuten zu Fuß. Aber ohne Reservekanister war es nicht gerade einfach, ein paar Liter Benzin zu transportieren.
»Ob ich es mit einem Kochtopf versuchen sollte? Oder ich warte einfach bis Morgen früh und lasse mir von Schmidt ein paar Liter bringen. Das ist wesentlich einfacher.«
Er schon den Wagen an den Straßenrand, schloss ab und machte sich zu Fuß auf den restlichen Heimweg. In der Dunkelheit sah er immer wieder Dinge, die es eigentlich nicht geben sollte. Leuchtende Monsteraugen, fliegende Gespenster, Leichen am Straßenrand. Diese entpuppten sich allerdings als völlig harmlos. Mal versteckte sich ein Katze hinter einem Autoreifen und beobachtete alles um sie herum, mal wehte der Wind eine weiße Plastiktüte durch die Luft.
»Ich sollte nicht so viel Fantasie haben. Irgendwann sehe ich noch weiße Mäuse in meinem Kühlschrank auf meinem Käse.«
Damit waren die Augen und die Geister erklärt. Die Leiche wollte sich allerdings nicht als so harmlos erweisen.
»Mist.«, fluchte Zimmermann und seufzte. »Das bedeutet wieder Überstunden.«, entfuhr es ihm, als er die Schuhe genauer in Augenschein nahm, in denen noch zwei Füße steckten, die wiederum an einer noch warmen Leiche hingen.
Der Kommissar zog sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer seines Assistenten  Inspektor Schmidt.
»Es gibt wa zu tun. Ich habe unweit meiner Wohnung eine Leiche entdeckt. Kommen sie am Besten sofort her und benachrichtigen sie alle nötigen Kollegen.«
Er gab die Adresse durch und die ersten Hinweise. Bevor er auflegte, fiel ihm noch etwas ein.
»Vergessen sie auf keinen Fall einen großen Becher Kaffee für mich – übliche Sorte. Ach, und ich brauche noch einen Kanister Sprit. Benzin bleifrei E5. Nicht diesen E10 Mist. Den verträgt mein Wagen nicht. Und beeilen sie sich.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Kollegen eintrafen.
»Was hat das so lange gedauert?«, zeterte Zimmermann gleich los.«
»Wenn sie nicht auf Sprit und Kaffee bestanden hätten, wäre es schneller gegangen.«, entschuldigte sich Schmidt.
»Schieben sie nicht immer alles auf mich. Sie hätten sich auch beeilen können.«
Er wies die Beamten ein und verteilte Aufgaben.
»Während sie shoppen waren, habe ich mir alles angesehen.«, erklärte der Kommissar.
»Es handelt sich eindeutig um Mord. Der Tote ist ein Mann, geschätzte vierzig Jahre alt. In seiner Brust steckt ein Brotmesser. So weit nichts Ungewöhnliches. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es sich hier um irgendeine Art von Ritualmord handelt. Vielleicht sogar der Auftakt einer Mordserie?«
»Wie kommen sie darauf?«, wollte der Inspektor wissen.
»Der Täter hat dem Opfer ein Kreuz in die Stirn geritzt, wahrscheinlich noch vor dem Tod. Der Mund ist mit kleinen Fischen vollgestopft, möglicherweise Sardinen oder Sardellen. Irgendwas Kleines. Ich kenne mich da nicht so aus. Ich esse keinen Fisch. Ist eklig. Ich …«
Er stockte in seinen Ausführungen. Dachte ein paar Sekunden nach.
»Moment mal. Ein Kreuz auf der Stirn, Fische im Mund. Dieser Typ da.«
»Welcher Typ?«
»Na der von der Pommesbude. Dieser verrückte Fanatiker. Irgendein fundamentalistischer Christ oder so. Ach, ich kenn mich da doch auch nicht so genau aus. Jedenfalls hat der mich so fertig gemacht, weil ich mir vorhin eine Currywurst am Karfreitag gegessen habe. Es würde mich nicht wundern, wenn es da nicht irgendeinen Zusammenhang geben würde. Ich muss da sofort hin.«

Der Kommissar setzte sich wieder in sein Auto und startete. Das heißt, er wollte starten.
»Ach, Scheiße. Der Tank ist immer noch leer.«
Er wechselte in Schmidts Dienstwagen.
»Schmidt! Schlüssel! Zackig! Und wenn ich wieder da bin, haben sie den Kanister in meinen Tank umgefüllt. Verstanden?«
Seufzend warf der Inspektor seinen Schlüsselbund zu seinem Vorgesetzten und machte sich an die Arbeit.

Während der Fahrt zum Pommesbude fluchte Zimmermann immer wieder laut vor sich hin.
»Ich bin so ein Riesenrindvieh. Ich hatte den Typen schon in meinen Fingern. Ich hätte ihn nur einsacken müssen. Für seine Drohungen hätte ich ihn locker mit zur Wache schleifen können. Hätte ich doch bloß.«
Er holte den zerknitterten Flyer aus der Manteltasche und hielt ihn sich vor die Nase.
»Da muss doch irgendwo was stehen. Wo kommt der Mist denn her?«
Er konnte allerdings weder den Namen einer Person, noch von einer Organisation finden.
»Völlig anonym. Hätte ich mir ja denken können.«
Er warf den Flyer auf den Beifahrersitz. Als er den Blick wieder frei hatte, sah er entsetzt in die Scheinwerfer eines Busses, der nur noch wenige Meter von ihm entfernt war und immer wieder die Lichthupe betätigte.
»Scheiße!«, rief Zimmermann panisch und steuerte den Wagen zurück auf die rechte Fahrspur.
»Verdammter Idiot. Kannst du nicht besser aufpassen? Wo hast du denn dein Busführerschein her?«
Der Ärger verflog aber recht schnell. Der Kommissar hielt in diesem Moment vor dem Imbiss. Er wollte direkt hinein stürmen, blieb aber im Sicherheitsgurt hängen.
»Abschnallen nicht vergessen, Zimmermann.«
Er betrat die Pommesbude.
»Stavros, ist dieser Fischfreak noch hier?«, fragte er sofort hinter die Theke.
Der Besitzer schüttelte den Kopf. »Auf keinen Fall, Kommissar. Der ist schlecht fürs Geschäft. Vergrault mir nur die Kundschaft. Den hab ich sofort wieder an die Luft gesetzt.«
»War der denn vorher schon mal hier? Kennt den jemand?«
Die Frage blieb allerdings erfolglos. Ohne eine zufrieden stellende Antwort musste sich Zimmermann wieder auf den Weg zum Tatort machen.

»Nichts. Ich habe nichts erreicht und nichts heraus gefunden.«, rief er den Kollegen frustriert zu.
»Und ich dachte, ich hätte den Täter bereits in der Hand. Vielleicht sollten wir eine stadtweite Fandung starten. Wer die eine Pommesbude belästigt, wird das bestimmt auch noch bei den anderen versuchen. Vielleicht war er sogar bei McDonald’s. Je nach Besucherzahl, könnte ihn jemand erkannt haben.«
Inspektor Schmidt notierte sich alles auf seinem Block, tätigte einen Anruf und veranlasste alle notwendigen Schritte. Dann zählte er auf, was inzwischen am Tatort alles ermittelt wurde.
»Das Kreuz auf der Stirn wurde tatsächlich noch vor dem Tod geritzt. Das Opfer ist mit Kabelbindern an den Händen gefesselt worden und konnte sich nicht wehren. In der Brust sind mehrere Einstiche mit dem Brotmesser erfolgt. Neben den Fischen im Mund fanden wir noch einen weiteren Hinweis. In der linken Jackentasche befand sich ein Zettel.«
Schmidt zog einen Flyer hervor, auf dem erklärt wurde, warum ein gläubiger Christ an Freitagen, vor allem an Karfreitag Fisch statt Fleisch essen sollte.
»Das ist der gleiche Wisch, den mir dieser Verrückte in die Hand gedrückt hat. Ein eindeutiger Beweis.«
»Zumindest ein Indiz. Den Rest quetsche ich schon aus ihm raus. Jetzt müssen wir ihn nur noch finden.«

Am nächsten Morgen trafen sich die beiden Ermittler in ihrem Büro, um die weitere Vorgehensweise zu bereden.
»Die Kollegen von der Social Network Abteilung haben was für uns.«, begann der Inspektor.
»Normalerweise verfolgen sie rassistische und volksverhetzende Inhalte. Aber ich habe sie gebeten, die Augen aufzuhalten. In einer hemeraner Facebookgruppe wurde von einem Mann ein Posting geschrieben, dass sich ebenfalls um das Essen von Fisch am Karfreitag handelt.«
Er holte einen Ausdruck aus einer Aktenmappe und legte sie dem Kommissar vor.
»Das ist er. Das ist unser Mann. Wir haben ihn. Jetzt brauchen wir nur noch ein Geständnis.«

Der mutmaßliche Täter wohnte in einem Einfamilienhaus in Deilinghofen, nicht weit von Zimmermanns Wohnung und dem Tatort entfernt.
Sie klingelten. Sekunden später standen sie ihm und seiner Frau gegenüber.
»Ach sieh an, der Fleischesser.«, höhnte es dem Kommissar entgegen. »Ich bin mir sicher, dass sie dafür in der Hölle schmoren werden.«
»Aber nur von Samstag bis Donnerstag.«
»Wie? Was?«
»Freitags darf nur Fisch geschmort werden. Ansonsten rutscht der Herrgott ebenfalls mit in die Hölle. Aber deswegen sind wir gar nicht hier. Wir wollen über den gestrigen Mord sprechen.«
Verwirrung schlich sich auf die Stirn des Mannes. Deswegen holte Zimmermann ein Foto des Toten hervor.
»Das ist mein Nachbar. Ein Heide, wie er im Buche steht. Er raucht, er säuft und er isst täglich Fleisch. Er ist dem Herrn ein richtiger Dorn im Auge. Er hat den Tod mehr als verdient. Aber warum kommen sie deswegen zu mir? Ich habe damit nichts zu tun. Ich habe gestern versucht, meine Mitmenschen zum Guten zu bekehren. Es gibt genug Zeugen, da bin ich mir sicher.«
Der Kommissar seufzte. Mit dieser Antwort hatte er bereits gerechnet. Wahrscheinlich war sein einziger Verdächtiger die ganze Zeit in hemeraner Pommesbuden und Restaurants unterwegs gewesen. Aber wer konnte es dann gewesen sein?
In diesem Moment schlug die Frau des Verdächtigen die Hände vor’s Gesicht und begann zu weinen.
»Ich konnte nicht mehr anders.«, begann sie zu erklären. »Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. Jeden Freitag steht mein Mann vor der Tür unseres Nachbarn und beschimpft ihn wegen seines unchristlichen Lebenswandels. Ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten, dass so ein Mensch neben uns lebt. Ich wusste einfach keinen anderen Ausweg mehr. Deswegen habe ich es getan. Ich habe ihn getötet und in die Hölle geschickt.«
Sie schluchzte und brach zusammen.
»Scheiße.«, fluchte Zimmermann leise. »Damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet.«

(c) 2016, Marco Wittler

Diese Geschichte ist Teil einer Blogparade zum Thema „Ostern“, an der ich mit anderen Bloggern teilnehme. Jede(r) von uns geht das Thema auf seine eigene Weise an. Dabei sind natürlich sehr verschiedene und interessante Beiträge entstanden. Schaut doch mal bei den anderen vorbei.

Eine Gute Nacht Geschichten von mir zum Thema Ostern findest du hier: Wo sind nur die Osteier?

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