Meine Kurzgeschichten

Posted by Marco on 6. Juni 2015 with No Comments

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Viel Spaß beim Lesen.

Aktuelle Geschichte: Entführt (Regional-Krimi)

Letztes Update: Sonntag, 18.09.2016

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Zimmermann ermittelt (28) – Entführt [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 18. September 2016 with No Comments as , , , , , , , , , , , , ,

Entführt

Kommissar Zimmer und seine rechte Hand Inspektor Schmidt saßen im Büro der hemeraner Kriminalpolizei. Im Gegensatz zu regulären Arbeitstagen hatten sie am heutigen Tag nichts zu tun. In Hemer war es ruhig. Schlimmere Verbrechen waren nicht in Sicht. Um die kleineren Delikte kümmerte sich ein anderes Ermittlerteam.
»Ist das nicht ein schöner Tag, Chef?«, fragte ein vergnügter Inspektor. »Sonst ertrinken wir hier in Arbeit und wissen nicht, wie wir unsere Fälle zeitnah abarbeiten sollen. Da tut es doch mal ganz gut, wenn wir die Füße hoch legen können.«
»Schöner Tag? Was wollen sie damit sagen?«, regte sich der Kommissar auf.
»Wir sitzen hier nutzlos rum und kosten den Steuerzahler unnötig Geld. Die Menschen wollen, dass wir Verbrecher zur Strecke bringen und nicht untätig rumsitzen. Vielleicht plant grad eine neue Sauerlandgruppe einen Terrorakt. Und wir verhindern ihn nicht. Wenn ich an so etwas denke, schmeckt mir nicht mal mein Kaffee.«
Er kippte die mittlerweile kalt gewordene schwarze Brühe in die Topfpflanze, die auf seinem Schreibtisch stand.
»Sie könnten sich ja mal nützlich machen und mir einen neuen Kaffee besorgen. Sie haben ja eh grad nichts zu tun.«
Schmidt seufzte. »Ich werfe die Kaffeemaschine sofort an.«
»Nee. Keinen Filterkaffee. Holen sie mir was Ordentliches. Frische Bohnen, frisch aufgebrüht. Schwingen sie die Hufe. Ich brauche Koffein. Bis sie wieder hier sind, könnte ich ein paar alte Akten durchsehen. Vielleicht löse ich ein paar ungeklärte Fälle, bis sie wieder hier sind.«
Der Inspektor seufzte ein zweites Mal, schnappte sich die Autoschlüssel und machte sich auf den Weg. Zur gleichen Zeit nahm sich der Kommissar seine Computermaus und startete ein Minensuchspiel zum Zeitvertreib.
»Wenn es nicht so gefährlich wäre, hätte ich mich schon vor Jahrzehnten für den Minenräumdienst gemeldet. Ich hab echt ein Talent, Bomben zu finden.«

Nach einer geschlagenen Stunde wunderte sich Zimmermann, warum Schmidt noch nicht wieder zurück gekehrt war.
»Wo bleibt der verdammte Kerl? Ich brauche meinen Kaffee. Soll ich hier etwa nur mit halber Leistung arbeiten? Man kann sich auf niemanden mehr verlassen.«
Er holte sein Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer seines Kollegen. Nach zwei Minuten legte er unzufrieden auf.
»Geht nicht ran. Da stimmt doch was nicht. Normalerweise erreiche ich ihn rund um die Uhr.«
Er stand auf, warf sich, trotz der sehr sommerlichen Temperaturen, seinen alten, abgetragenen und mit vielen Flecken versehenen Trenchcoat über und ging zum Parkplatz.
»Was soll denn das? Das Auto ist da. Warum lässt mich Schmidt dann warten?«
Zimmermann legte eine Hand auf die Motorhaube seines Dienstwagens. »Kalt. Der ist in der letzten Stunde garantiert nicht gefahren worden. Was soll das?«
Nachdenklich umrundete er das Auto, bis er unter dem Scheibenwischer auf der Heckscheibe einen Briefumschlag fand. Beschriftet war er mit ausgeschnittenen Buchstaben aus einer Zeitschrift. ‚AN kOMMisSaR ziMMERMaNN‘ war darauf zu lesen.
»Scheiße. Was wird denn hier gespielt?«
Er lief in die Wache, trommelte ein paar Polizisten zusammen und holte sich selbst Gummihandschuhe.
»Schaut euch alles an. Hier stimmt was nicht. Überseht keinen Hinweis und keine etwaigen Beweismittel.«
Er selbst nahm vorsichtig den Brief zur Hand und öffnete ihn. Im Innern des Umschlags lag ein einzelner Zettel, der ebenfalls mit ausgeschnittenen Lettern beklebt war:

‚inspekTOr SchMIDT beFIndET SICH in UnsEreR HANd. VERmeideN SiE jegliche ERMITTlungEN durch die pOLIzeI. WIR werDEN ihn für EIN LöseGELD von EINER MIO €urO frei LASSEN. WEITERE informatioNEn MorGEN.‘

»Keine Ermittlungen durch die Polizei? Was soll denn das für ein übler Scherz sein? Ich bin die Polizei und kriege euch Drecksäcke am Arsch.«
Er drehte sich zu den Kollegen um.
»Wir haben es mit einer Entführung zu tun. Inspektor Schmidt ist in der Gewalt der Verbrecher. Offene Ermittlungen kommen nicht im Frage. Das gefährdet nur sein Leben. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Wir müssen nur vorsichtig genug sein. Wir holen ihn da raus.«
Zimmermann ging zurück ins Büro. Während die Beamten vor dem Gebäude nach Hin- und Beweisen suchten, nahm er sich den Schreibtisch seines Kollegen vor. Vielleicht konnte er etwas finden, dass ihn auf die richtige Spur bringen würde.
»Aber warum ist der Erpresserbrief an mich gerichtet? Warum nicht an Schmidts Familie? Das macht doch keinen Sinn. Die Täter kennen mich. Vielleicht jemand, den ich in meiner langen Dienstzeit hinter Gittern gebracht habe.«
Er dachte nach.
»Schmidt, stellen sie mir eine Liste zusammen mit allen Verbrechern, die ich verknackt habe und mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind.«
Er sah sich um.
»Verdammt. Vergessen. Ich muss es wohl selbst erledigen.«
Der Kommissar setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm sich Maus und Tastatur zur Hand.

Zimmermann starrte auf den flimmernden Bildschirm. In der langen Liste der Verbrecher, die er hinter Gitter gebracht hatte, Verdächtige zu finden, war alles andere als leicht. Viele von ihnen waren bereits wieder frei und kamen für einen Racheakt in Frage.
»Verdammte Scheiße. Wie soll man denn arbeiten können, wenn ich nicht mal einen kleinen Hinweis bekomme.«
Selbst der Erpresserbrief hatte keine Ergebnisse liefern können. Fingerabdrücke waren Mangelware. Die Täter hatten offensichtlich Handschuhe getragen.
»Oder irgendein Freak hat sich seine Fingerkuppen mit einem Feuerzeug abgefackelt. Wäre mal eine ganz neue Methode.«
Der Kommissar stöhnte. »Ich schweife schon wieder ab. Ich brauche dringend einen Kaffee.«
Er wollte schon wieder nach Schmidt rufen, schluckte seinen Auftrag aber herunter und machte sich selbst auf den Weg.
Ein paar Minuten später stand er vor der Kaffeetheke im McDonald’s, bestellte eine großen Becher und wartete.
»Wie soll ich eigentlich diesen Fall allein lösen? Jeder handelsübliche Superheld braucht einen Sidekick, der ihn unterstützt. Batman hat Robin, Superman seine Lois Lane und David Banner hat diesen grünen Freak, der ihn überall raushaut. Nur ich stehe allein da. Das ist einfach nicht fair. Ich brauche einen Ersatzmann.«
Zimmermann zahlte, nahm seinen Becher in Empfang und verließ den Burgerbräter. Als er nach draußen trat, fielen ihm zwei Kollegen aus dem Revier ins Auge, die sich gerade angeregt auf dem Parkplatz unterhielten. Oder war es sogar ein Streit?
»Wenn ich es dir doch sage. Der Alte wird dahinter kommen, wenn wir nichts unternehmen.«
Der Kommissar ging auf die beiden zu. »Alles in Ordnung, Männer?«
Die beiden sahen entsetzt auf.
»Äh, ja sicher. Ich musste mir nur mal etwas Luft machen. Ist grad eine ziemlich stressige Situation … Also zu Hause meine ich … Mein Vater wird langsam dement und macht Ärger.«
Er sah zu seinem Kollegen, der kurz nachdachte und dann zustimmend nickte.
»Ja, der alte Mann ist echt ’ne Plage. Sollte langsam mal ins Pflegeheim. Aber ist gar nicht so einfach den richtigen Platz zu finden. Deswegen haben wir uns unterhalten, weil ich für meine Mutter letztes Jahr auch schon ein Heim gesucht hab. Ist doch immer gut, wenn man sich unter Kollegen einen Tipp geben kann.«
»Hm, stimmt.«, brummte Zimmermann. »Dafür bin ich aber der falsche Ansprechpartner. Kenn mich damit nicht aus. Bin schon Vollwaise.«
Er tippte sich mit zwei Fingern an die rechte Schläfe. »Man sieht sich.«
Dann machte er sich wieder auf den Weg ins Büro.

Nach einer weiteren halben Stunde ohne weiter zu kommen, rief der Kommissar frustriert im Büro des Dienststellenleiters an und bat um Hilfe.
»Hast du nicht irgendeinen deiner Leute für mich über? Ich brauche unbedingt einen Assistenten, der mir beim Denken hilft. Ich muss mich mit irgendwem austauschen können.«
Von seinem Kollegen bekam er Wachtmeister Krüger empfohlen. »Ein sehr patenter junger Mann. Der würde sich auch ganz gut in deiner Abteilung machen. Er hat echt was drauf.«
»Krüger?«
Zimmermann kratzte sich am Kopf und dachte zurück an seine Begegnung vor der Burgerbude.
»Nee, lass mal. Der wird mir nicht helfen können. Hat ja selbst grad mit seinem kranken Vater um die Ohren. Kann mir nicht vorstellen, dass er mir zur Seite stehen könnte.«
»Kranker Vater? Krüger? Bist du dir sicher, dass du da nichts verwechselst? Krügers Vater ist seit zehn Jahren tot. Ich war bei seiner Beerdigung.«
Zimmermanns Augen begannen düster zu leuchten. »Zehn Jahre? Und du bist dir sicher?« Er wartete keine Antwort ab. »Danke für deine Hilfe.«
Jetzt bekamen die Begegnung und die gehörten Worte eine ganz andere Bedeutung. Sofort nahm er sich wieder den Computer vor. Er brachte offene Fälle mit Wachtmeister Krüger in Verbindung. Nach nur wenigen Minuten blieb eine Akte übrig.
»Bingo!«

Wachtmeister Krüger fuhr eine Stunde später mit dem Peterwagen zum Parkplatz am alten Panzergelände, wo er unzählige Stunden mit seinem großen Bruder verbracht hatte. Vor Ort sollte ein Schaf über den gespannten Zaun gesprungen sein. Als er eintraf, konnte er weder Schaf noch einen Anrufer finden. Also lief er an der Weide entlang und suchte, bis er eine vertraute Stimme hörte.
»Unterschlagenes Diebesgut, dass aus der Asservatenkammer spurlos verschwand und nie wieder auftauchte. Ist es das, was der Alte nie herausfinden sollte?«
Hinter einem Baum tauchte Kommissar Zimmermann auf.
Krüger wurde kreidebleich. Seine Beine wurden weich und begannen zu zittern. »Wie? Was? Woher wissen sie das?«
»Deswegen bin ich seit ein paar Jahrzehnten bei der Kripo. Ich habe eine feine Spürnase.«
Krügers Hand bewegte sich langsam zu seiner Hüfte und holte die Dienstwaffe hervor. »Ich könnte sie erschießen. Es ist niemand da, der es sieht.«
Zimmermann grinste. »Sind sie sich da so sicher?«
»Die Waffe weg, Krüger. Wenn du zuckst, bist du tot.«
Es war der Dienststellenleiter, der nun hinter einem weiteren Baum hervor kam.
Krüger ließ zuerst die Waffe fallen, dann den Kopf. Es wusste, dass es vorbei war.
»Wo ist Schmidt und warum haben sie ihn entführt?«, wollte der Kommissar wissen.
»Mit der Nummer wollte ich sie ablenken, um die Akten und Daten verschwinden zu lassen. Schmidt sitzt gefesselt im Keller der Wache. Es geht ihm gut.«
»Vielen Dank. Sie sind dann wohl der Nächste, der die nächsten Jahre sitzen wird.«
Dann klickten die Handschellen.

(c) 2016, Marco Wittler