Zimmermann ermittelt (11) – Entsorgt [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 30. Juli 2014as , , , , , , , , , , , , , ,

Entsorgt

Der Wecker klingelte. Fritz öffnete langsam die Augen und gähnte laut. Er warf einen Blick auf das leuchtende Display. Halb fünf morgens. Mitten in der Nacht.
»Verdammter Job. Ich hätte mir doch was anderes suchen sollen.«
Seit mittlerweile dreißig Jahren ging er seinem Beruf nach. An das frühe Aufstehen hatte er sich aber nie gewöhnen können. Sanft drückte er seiner schlafenden Frau einen Kuss auf die Wange und verließ das Bett, um sich im Bad fertig zu machen. Eine Stunde später, nachdem er geduscht, sich angezogen, gefrühstückt und einen großen Kaffee getrunken hatte, saß er in seinem Wagen und fuhr los.
Ein paar Minuten vor sechs traf sich Fritz mit seinem langjährigen Kollegen Walter. Gemeinsam meldeten sie sich im Büro und ließen sich ihre Schlüssel geben.
»Ihr bekommt heute eine Sonderaufgabe, Jungs.« erklärte ihr Vorgesetzter.
»Wir haben gestern Nachmittag ein neues Fahrzeug bekommen. Die neue Technik darin wiegt automatisch die Ladungen und zeigt euch das Gewicht auf einem Display an. Wenn das alles gut funktioniert, könnten wir die Kostenpauschale für unsere Kunden individualisieren. Der Testlauf soll zwei Wochen laufen. Ein Computer wird alle Daten speichern und mit GPS Koordinaten verbinden. Fritz, du wirst alles im Auge behalten und mögliche Fehler notieren.«
Die Männer nickten, verdrehten aber gedanklich die Augen. Wieder mehr Arbeit. Der Feierabend würde sich bestimmt nach hinten verschieben.
Wortlos verließen sie das Verwaltungsgebäude und setzten sich in ihren großen Schlitten, wie sie ihren Müllwagen liebevoll nannten.
»Was steht heute auf dem Plan?« erkundigte sich Fahrer Walter.
»Deilinghofen.« antwortete Fritz kurz. Ich hoffe nur, dass alle Mülltonnen ordentlich am Straßenrand stehen. Ich hab keine Lust, mir auf meine alten Tage den Rücken noch mehr kaputt zu machen.«
Gegen halb sieben erreichten sie ihren Einsatzort. Fritz schaltete den Computer ein und nahm die neue Software in Betrieb.
»Hoffentlich klappt das auch. Ich weiß nicht, warum die gerade uns diesen Mist andrehen mussten. Die wissen doch genau, dass ich mit Computern nicht kann.«
Sie hielten am ersten Haus. Der Greifer schnappte sich zwei Tonnen und hob sie hoch.
»Links 34,5 Kilo – rechts 42,2 Kilo.« las Fritz vor. »Alles in bester Ordnung.
Die Tonnen wurden abgestellt. Eine von ihnen rutschte über die Bordsteinkante ab und fiel um.
»Wie wäre es mit einer Runde Tonnenbowling?« fragte Walter grinsend und erinnerte sich an die guten alten Zeiten, in denen sie mit ihrem Müllwagen viele Scherze erlaubt hatten.
Fritz schüttelte den Kopf. »Vergiss es. Denk mal an den Ärger, den wir damals bekommen haben. Willst du nochmal der Polizei im Büro gegenüber stehen und eine Abmahnung wegen Ruhestörung bekommen? Die ganzen Spießer von heute schlafen doch gern lang und wollen nicht gestört werden.«
Sie seufzten gemeinsam und hielten am zweiten Haus.
»Links 18,9 Kilo – rechts 46,7 Kilo.«
»Aber die können uns doch nicht ständig den Spaß verderben. Unser Job ist hart. Wir brauchen auch etwas Abwechslung.«
Die Tonnen landeten wieder auf dem Boden. Walter legte den Rückwärtsgang ein, klappte den Greifer ein Stück aus und schob die Tonnen einen Meter weiter.
»Na los. Komm. Nur einmal. Dir macht Bowling doch auch Spaß. Wie es aussieht, wohnen hier eh nur Rentner. Die sind alle schwerhörig und bekommen eh nichts mit.«
Er setzte noch ein Stück zurück und warf die Tonnen um. Dann gab er lachend Gas und fuhr weiter.
»Lass mal. Ich möchte meine eigene Rente nicht als Arbeitsloser erreichen. Wenn ich auf meine alten Tage noch Hartz IV beziehen muss, gibt es jede Menge Abschläge. Das git nur Ärger mit meiner Frau.«
Das dritte Haus war erreicht. Der Greifer nahm zwei Tonnen auf.
»Links 38,2 Kilo – rechts 39,6 Kilo.«
Da es sich um ein Mehrfamilienhaus handelte, mussten sie ein zweites Mal aufladen.
»Links 27,8 Kilo – rechts 124,2 Kilo.«
Fritz stutzte und sah nochmal aufs Display.
»Wart mal. Da stimmt was nicht. Jetzt geben die uns schon ein Neufahrzeug und nach ein paar Minuten ist die Technik kaputt. Stell die Tonnen ab und heb sie nochmal hoch.«
Walter drückte ein paar Hebel und warf nun ebenfalls einen Blick auf die Zahlen.
»27,8 – 124,2. Es bleibt dabei.«
Fritz verdrehte die Augen. »Stell ab. Ich geh raus und schau mir das selbst an. Kann ja nicht sein, dass in einer 120er Tonne fast …« Er warf einen Blick auf die Übersichtstabelle der Stadt. »… fünfundsiebzig Kilo zu viel drin stecken. Da muss schon einer Bauschutt entsorgt haben. Und das ist verboten.«
Er zog seine Handschuhe über und verließ das Führerhaus. Mit wenigen Schritten stand er neben der überschweren Tonne und packte sie sich.
»Uff, verdammt.« stöhnte er. »Da sind wohl doch Backsteine drin. Verdammte Mistkerle. Wozu gibt es denn den Bringhof. Der ist doch nur ein paar Straßen weiter. Aber die paar Euro wollen sie dann auch noch sparen.«
Wütend öffnete Fritz den Deckel und warf einen Blick hinein.
»Ganz toll. Ehrlich. Altpapier gehört nicht in den Restmüll. Dafür sind die blauen Tonnen da.«
Er holte ein paar zerlegte Kartons heraus und warf sie auf den Boden. Darunter lagen Plastikverpackungen.
»Kacke. Hier stimmt überhaupt nichts. Mir reichts. Walter, bring mir mal einen von den gelben Aufklebern. Die Tonne bleibt hier. So einen Umweltsünder muss gemeldet und bestraft werden.«
Walter stieg aus. In seiner Hand befand sich der Aufkleber. Trotzdem zögerte er.
»Der ist doch eigentlich für die gelbe Tonne. Musst du denn jetzt so ein Fass aufmachen? Der Tag wird noch lang genug. Ich will einfach nur weiter.«
Aber Fritz war nun richtig in Fahrt und nahm den Inhalt der Tonne weiter und die Lupe. Er riss einen Müllsack, stoppte erschrocken in seiner Bewegung und ließ ihn wieder fallen.
»Scheiße! Verdammte Scheiße!«
Er trat ein paar Schritte zurück. Holte ein paar Mal tief Luft und zeigte panisch auf die Tonne.
»Da … da ist … da drin … das kann doch gar nicht sein.«
»Was? Was ist denn? Nun sag doch.«
Aber Fritz konnte nicht antworten. Also hob Walter vorsichtig den durchsichtigen Sack hoch und besah ihn sich genau. Da ist doch nichts. Okay, ein paar Verpackungen, die da nicht rein gehört, aber sonst geht’s doch. Du übertreibst mal wieder völlig.«
Er wollte den Sack gerade fallen lassen, da sah er es auch.
»Heilige Scheiße.« entfuhr es ihm. »Wir müssen sofort die Polizei rufen.«

Das Handy klingelte. Es klingelte und klingelte. Es nach dem sechsten Läuten entfuhr ihm ein unzufriedener Seufzer.
»Verdammt nochmal.« beschwerte sich Kommissar Zimmermann. »Darf man nicht mal an seinem freien Tag ausschlafen?«
Er hätte das Handy nur zu gern in die Ecke seines Schlafzimmers geworfen, aber dann siegte doch die Neugier und er nahm das Gespräch entgegen.
»Zimmermann.« nuschelte er.
»Hier Schmidt. Ich stehe mit dem Wagen vor der Tür. Sie haben zehn Minuten, dann müssen wir los. Es gibt Arbeit.«
Der Kommissar seufzte noch eine Spur lauter als zuvor. »Was ist mit …«
»… Kaffee? Habe ich schon besorgt. Befindet sich in einem großen Becher in der Mittelkonsole.«
»Alles klar. Ich bin gleich da.«

Es dauerte knappe drei Minuten bis ein griesgrämig dreinblickender, unrasierter und ungewaschener Kriminalbeamter in einem schlecht sitzenden, abgetragenen Trenchcoat die Wagentür öffnete und einstieg.
»Sie wirken von Tag zu Tag mehr wie eine Columbo Parodie.« kommentierte Inspektor Schmidt das Erscheinen seines Chefs.
»Klappe halten. Kaffee her. Los fahren.«
Schmidt grinste und drückte den heißen Becher in die wartende Hand. Zimmermann setzte ihn an die Lippen, goss sich einen großen Schluck in die Kehle und gab ein wohliges Grunzen von sich.
»Jetzt geht es mir besser. Dann berichten sie mal, worum es sich handelt.«
»In Deilinghofen gab es einen Leichenfund. Alles andere sehen sie gleich vor Ort. Das würden sie mir eh nicht glauben.«
»Dann wird es ja ein fantastischer Tag werden.« Er nahm noch einen Schluck und sackte gemütlich in seinem Sitz zusammen.

»Wo ist denn nun die Leiche?« Zimmermann sah sich um, konnte aber nichts entdecken. »Haben die Herren von der Spurensicherung oder die Männer von der Wache hier schon aufgeräumt, bevor ich mein OK gegeben habe? Was soll der Mist?«
»Ganz so sieht es nicht aus, Chef.« wollte Schmidt erklären aber der Kommissar ließ ihn kaum zu Wort kommen.
»Jedes Mal muss ich gegen die schlampigen Vorarbeiten ankämpfen. Das ist zum Aus der Haut fahren.«
Er öffnete die Mülltonne neben sich und wollte den leeren Kaffeebecher hinein werfen. Doch dann hielt er in seiner Bewegung inne, als er seinen Fehler bemerkte.
»Verdammt. Ich verwische vielleicht gerade Spuren. Sofort ein Paar Handschuhe.«
Mit spitzen Fingern öffnete er den Deckel ganz und besah sich den ungewöhnlichen Tatort.
»Wer entsorgt eine Leiche in einer Mülltonne? Wie kommt man denn auf so eine geschmacklose Nummer?«
Zimmermann besah sich die Leiche von allen Seiten – zumindest so weit, wie es der enge Raum des Fundorts zuließ.
»Die beiden Müllwerker dort drüben haben den Toten gefunden. Sie haben heute das erste Mal das Gewicht der Tonnen bestimmt. Diese hier war über siebzig Kilo zu schwer. Also haben sie rein gesehen und das hier vorgefunden.«
»Wie? Zu schwer? Gibt es da etwa Gewichtsvorschriften?« Der Kommissar dachte nervös an die Rigipsplatten, die er vor zwei Tagen in seiner Tonne entsorgt hatte.
»Wird das etwa immer gewogen?«
»Nein, das ist nur ein Testfahrzeug. Die beiden Herren haben heute die erste Fahrt damit angetreten.«
Zimmermann atmete erleichtert auf.
»Gibt es schon irgendwelche Spuren? Wurde schon etwas untersucht?«
Schmidt schüttelte den Kopf. »Die Spurensicherung ist noch unterwegs. Die Wachtmeister waren zuerst hier und haben uns dann benachrichtigt.
»Dann nehmen wir das jetzt in die Hand.«
Der Kommissar holte sein Handy aus der Hosentasche und machte ein paar verwackelte Aufnahmen vom Tatort und der Lage der Leiche.
Wir müssen ihn da raus holen.« Er winkte Schmidt und die Wachtmeister heran, verteilte Gummihandschuhe und gab Anweisungen. »Los, anpacken. Einer am linken, einer am rechten Arm. Schmidt, sie stützen den Kopf, damit nichts passiert. Ich werde hier stehen und alles überblicken, falls einer von euch anders greifen muss.«
Zentimeter für Zentimeter hoben sie den Toten an. Komplett konnten sie ihn nicht aus der Tonne bergen, also packten die Müllwerker mit an und kippten den Behälter vorsichtig um.
Die Beamten zogen die Leiche hervor und legten sie auf den Boden.
»Männlich, schätzungsweise Mitte vierzig, 175cm groß, zu wenig Haarwuchs, dafür viel zu viel Bauch.« sprach der Kommissar in die Tonaufnahme seines Handys.
»Bekleidet mit einer abgetragenen, kurzen Hose in grau, einem ärmellosen, blauen T-Shirt mit Aufdruck, an den Füßen Sandalen.«
Er beugte sich über den Toten. »Todeszeitpunkt ohne den Pathologen nicht feststellbar, da der Körper bereits kalt ist. Mögliche Todesursache …« Er drehte die Leiche vorsichtig auf den Bauch. »… durch einen Schlag in den Nacken mit einem stumpfen Gegenstand. Dort ist ein großes Hämatom zu erkennen.«
Langsam bewegte er den Kopf. »Vermutlich Bruch des Genicks mit sofortiger Todesfolge.«
Er drehte das Opfer zurück und stand wieder auf. »Fundort in einer Mülltonne, versteckt unter Tüten und Pappen. Der Tatort dürfte mit dem Fundort nicht übereinstimmen. Klar, wer steigt schon freiwillig in eine Tonne, um sich erschlagen zu lassen.«
Zimmermann zog seine Handschuhe aus und warf sie in die Tonne.
»Wir sind hier fertig. Jetzt soll sich die Spurensicherung an den Fall machen. Schmidt, sie sprechen mit den Müllwerkern. Ich fahre ins Büro und werte inzwischen die ersten Eindrücke aus. Kümmern sie sich bitte auch darum, dass mir jemand einen guten Kaffee bringt. Sie wissen ja, wie ich ihn mag.«
Dann stieg er in seinen Dienstwagen und fuhr davon.

Eine Stunde später folgte Schmidt ins Büro. Er brachte die Ergebnisse der Spurensicherung mit und legte sie seinem Chef vor.
»Die Identität des Toten haben wir mittlerweile auch festgestellt. Uwe Peters, 43 Jahre alt, verheiratet. Wohnhaft in dem Mehrfamilienhaus, vor dem er gefunden wurde. Ich habe schon mit seiner Frau gesprochen. Sie kann sich nicht vorstellen, wer so ein schlimmes Verbrechen begangen haben sollte. Laut ihrer eigenen Aussage führten sie eine gute Ehe. Er verstand sich mit ihren Kindern gut und mit den anderen Bewohnern des Hauses und den Nachbarn soll es auch nie zu größeren Streitigkeiten gekommen sein. Wir stehen also vor einem absoluten Rätsel.«
»Hm.« machte der Kommissar und sah über Schmidts handschriftliche Aufzeichnungen.
»Haben sie schon mit den Nachbarn geredet?«
»Nein, bisher noch nicht. Da ich weiß, dass sie das gern übernehmen, habe ich alle informiert, sich für den Nachmittag bereit zu halten.«
Zimmermann nickte. »Sie besorgen den Kaffee. Ich rede mit den Leuten. So wie immer.«
Er grübelte. »Ich verstehe noch immer nicht, warum man eine Leiche einfach in die Mülltonne stopft. Das muss doch auffallen.«
Schmidt schüttelte den Kopf. »Ich hab mich bereits beim Entsorger informiert. Die Wagen fahren direkt zur Brennkammer, kippen ihre Ladung rein und fahren wieder weg. Hätten die Müllwerker das Gewicht nicht bestimmt, dann wäre die Leiche niemals wieder aufgetaucht.«

Pünktlich um drei Uhr nachmittags klingelte der Kommissar, bewaffnet mit einem großen Kaffeebecher, an der ersten Wohnung. Ein Mann mittleren Alters öffnete. Er sah ziemlich schäbig aus. Das Gesicht war unrasiert, die Klamotten, die er am Leib trug nicht gewaschen. Durch die Tür wehte ein beißender Geruch von vergorenen Lebensmitteln, vermischt mit diversen Schimmelarten, nach draußen in das Treppenhaus.
»Was gibt’s?« fragte der Mann säuerlich. »Ich kaufe nix an der Tür. Wenn sie wegen Abos und anderem Kram kommen, dann können sie gleich wieder gehen.«
Dem Kommissar schlug eine Alkoholfahne entgegen, die ihn zwei Schritte zurück treten ließ.
»Kriminalpolizei. Wir wollen nur ein paar Fragen stellen.«
»Ich war das nicht. Ich bin unschuldig. Da können sie alle anderen hier fragen. Ich habe den Nachbarn keine Äpfel vom Baum geklaut. Warum sollte ich das auch tun? Ist doch noch gar nicht Herbst. Die schmecken jetzt noch nicht.«
Zimmermann sah an ihm vorbei in den Flur und entdeckte auf dem Boden einige abgenagte Apfelreste.
»Keine Sorge, wir suchen keinen Apfeldieb. Das ist nicht unser Aufgabenbereich. Wir sind einem Mörder auf der Spur und suchen nach Zeugen, die eventuell etwas Verdächtiges gesehen oder gehört haben.«
Der Mann schüttelte den Kopf. Ich hab nix gesehen. Ich hab lange und tief geschlafen.«
Das bezweifelte Zimmermann keine Sekunde lang. Der Alkohol dürfte den Mann die ganze Nacht außer Gefecht gesetzt haben.
In diesem Moment öffnete sich etwas weiter oben im Dachgeschoss eine Tür und ein Mann lief die Treppe nach unten.
»Der Sache musste endlich mal ein Ende gesetzt werden. Ich hab sowas von die Nase voll. Ich kann das einfach nicht mehr akzeptieren. Ich mach mich doch nicht zum Clown hier. Irgendwo hat meine Geduld einfach ein Ende. Ich lass mich doch nicht verar…«
Als er beinahe den beiden Kriminalbeamten in die Arme lief, brach er ab.
»Hallo.« nuschelte er. »Ich bringe Müll runter.«
»Das sehe ich.« antwortete der Kommissar, der den durchsichtigen Beutel in der Hand des Mannes entdeckt hatte.
»Sie haben Katzen?« Er deutete auf eine Futterdose im Innern des Mülls.
»Sogar zwei. Ziemlich verschmust.«
Zimmermann nickte. »Dann bringen sie mal ihren Müll nach draußen, bevor es hier im Flur zu stinken beginnt.«
Der Alkoholiker , vor dessen Tür sie standen, verstand diesen Fingerzeig nicht. »Ja ja. Schnell weg das Zeug. Ich will hier nicht von eurem Gestank belästigt werden.«
»Na gut. Mehr Fragen haben wir nicht.« Der Kommissar verabschiedete sich schnell und war froh, dass der Stinker die Tür hinter sich wieder verschloss.
»Dann warten wir mal auf den Katzenmann. Den befragen wir als nächstes.«
Für die Zeit des Wartens holte er sein Handy aus der Tasche und besah sich noch einmal die Fotos vom Tatort.
Plötzlich erhellte sich sein Blick und er musste grinsen.
»Verdammt. Das ist es. Ich hab den Fall gelöst.«
Schmidt sah verwundert auf. »Wie? Was?«
»Nicht dumm fragen. Rufen sie sofort auf der Wache an. Die Jungs sollen sofort hier antanzen und ein Paar Handschellen mitbringen. Ich sehe mir nochmal den Müll an.«

Zehn Minuten später waren zwei weitere Polizeibeamte vor Ort. Zimmermann klingelte und wartete, bis die Tür geöffnet wurde. Der Katzenmann im Innern der Wohnung sah seinen Gegenüber leicht nervös an.
»Wollen sie mich jetzt auch befragen, ob ich was gesehen habe?«
»Ist nicht mehr nötig.« Er zog sich Gummihandschuhe an, griff in seine Manteltasche und holte eine verbeulte Katzenfutterdose hervor. Auf ihrem Etikett klebte eine nicht unbedeutende Menge Blut.
»Das ist doch eine von ihren, oder nicht?«
Der Mann verlor seinen halbwegs selbstsicheren Blick.
»Der Mistkerl hat es nicht anders verdient.« begann er zu schreien.
»Ich hole seit über drei Jahren jede Woche die Mülltonnen an die Straße. Immer am Abend vorher. Und jede Woche hat er seinen Wagen davor geparkt. Man kommt da nicht dran vorbei, ohne den Lack zu beschädigen. Ich hab schon so oft gesagt, dass er entweder den Wagen draußen stehen lassen soll oder die Tonnen selbst raus ziehen soll, der was passiert? Nix, verdammt nochmal. Es ist jedes Mal das Gleiche. Ich muss die Tonnen halb durch die Hecke zerren oder über das Nachbargrundstück, was auch nicht einfach ist. Ich hab einfach die Nase voll.«
Zimmermann grinste. »Mehr wollte ich gar nicht wissen.« Er wandte sich an die Polizeibeamten. »Abführen!«
Während der Mann in Handschellen gelegt wurde, begab sich der Kommissar mit seinem Assistenten zum Wagen.
»Wissen sie was, Schmidt? Irgendwie kann ich den Mann verstehen. Mich ärgert das auch immer. Meine Tonne ist auch nicht geleert worden. Irgendein Depp hat doch tatsächlich Rigipsplatten darin entsorgt und niemand im Haus fühlt sich jetzt dafür zuständig. Ich glaube, ich muss mich jetzt mal bei meinem Vermieter beschweren.«
Er nahm den letzten Schluck aus seinem Kaffeebecher, warf diesen in eine der Mülltonnen am Straßenrand und stieg lachend in den Wagen.

(c) 2014, Marco Wittler

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