Die blauen Kristalle [Science Fiction]

Posted by Marco on 19. Dezember 2013as , , ,

Die blauen Kristalle

Es war wieder einer dieser verregneten Tage, wie es sie in dieser Gegend sehr oft gab. Erbsengroße Wassertropfen fielen unaufhörlich vom Himmel und durchnässten jeden sofort bis auf die Knochen. Nur einige wenige Personen hielten sich kurzzeitig in den Straßen auf, dick eingepackt in Regenjacken und unter großen Schirmen versteckt liefen sie schnell auf verschiedene Häuser und Geschäfte zu. Das Prasseln übertönte alles. Aber das war das ganz normale Wetter. Der Regen hatte diese Gegend zu dem gemacht, was sie seit Jahrhunderten war, eine kleine Insel, deren grüne Hügel Ihresgleichen suchte.
Der einzige Ort der noch wirklich Leben in sich trug, war ein kleiner Pub im Stile des 19. Jahrhunderts. Es war egal zu welcher Stunde man ihn betrat, einen freien Platz zu finden war reine Glückssache. Viele verschiedene Lebensformen waren dort anzutreffen und doch war dies einer der friedlichsten Orte im bekannten Teil der Galaxie. Nirgendwo anders sah man Terraner, Halonen, Vermenen und andere Rassen gemeinsam trinken, reden scherzen, spielen. Dies war für alle eine andere – eine heile Welt, hinweg über alle Grenzen, neutralen Zonen, Welten, Vorurteilen und Gefühlen. Hier gab es das, was man nirgendwo anders bisher schaffen konnte, intergalaktischen Frieden, obwohl Irland selbst bis weit ins 21. Jahrhundert von Bürgerkriegen und Terror überschattet war.
Und das war es, worauf der Barbesitzer besonderen Wert legte. Ryan war gebürtiger Ire, hochgewachsen, rote Haare, ein Bär von Mann. Er führte den Pub wie es seine Vorfahren vor nunmehr 423 Jahren getan hatten. Sie alle hatten die Einrichtung über die lange Zeit nicht verändert. Es musste zwar oft ein zerbrochener Stuhl oder ein Tisch, der eine der seltenen Prügelei nicht überlebt hatte ersetzt werden, doch trotzdem waren diese Möbel immer den Originalen nachempfunden worden. Genau das machte das Flair dieser Kneipe aus. Einen Nahrungssynthetisierer suchte man hier vergebens, genauso wie diese neumodischen Alkohole, die keine Nebenwirkungen mehr hatten. Hier gab nur richtige Getränke, Whisky aus der Destille, hausgebrannt.
Aber Ryans Pub hatte noch etwas anderen, ganz Besonderes, an sich, denn hier begann ein haarsträubendes Abenteuer. Es begann alles, als eine dreiköpfige Gruppe durch die breite Eingangstür trat. Sie war nicht weiter auffällig, jedenfalls, schenkte ihnen keiner der bereits Anwesenden seine Aufmerksamkeit. Es war ein kleiner Trupp vermenische Händler. Sie setzten sich an einen freien Tisch und bestellten dunkles Bier.
Überall wurde getrunken, gesungen und gefeiert. Die Stimmung war gut und es schien ein friedlicher Tag zu bleiben. Ryan konnte es nur Recht sein. So blieb das Inventar ganz und es gab keinen Ärger mit dem örtlichen Sicherheitsdienst.
In einer dunklen Ecke machten einige zwielichtige Gestalten Geschäfte. Nichts war zu hören, offenbar hatte jemand ein Audio-Dämpfungsfeld errichtet, aber dennoch würde jedem Beobachter klar sein, dass der gerissene Rostate an diesem Tisch, seinen Gegenüber über den Tisch zog.
Aber das alles sollte sich nach einigen Stunden ändern.
Die Vermenen hatten mittlerweile einige Pints Guinness in ihrer Leber verschwinden lassen. Daher wurde die Stimmung ausgelassener und die Zungen lockerer.
Einer von ihnen legte seine Tasche auf den Tisch und holte einen Kristall hervor, der einem dunklen Blau leuchtete.
»Und ich sag es euch noch einmal, Freunde. Dieses Ding hier wird uns mehr Credits auf die Konten bringen, als diese verdammte Föderation überhaupt besitzt. Da verwette ich meine spitzen Ohren drauf.«
Seine Mitstreiter, ebenfalls bereits gut angetrunken, pflichteten ihm bei und schütteten das nächste Bier in sich hinein.
Dabei schienen sie nicht zu bemerken, dass es um sie herum plötzlich still geworden war. Offensichtlich hatte der leuchtende Kristall die Aufmerksamkeit aller anderen Pubbesucher erweckt. Selbst der Rostate hatte das Dämpfungsfeld abgeschaltet und stand nun mitten im Raum und fixierte den Stein mit seinen Augen.
»Und ich will verdammt sein, wenn dieses Steinchen das vermenische Imperium nicht zu bisher unerreichter Größe verhelfen wird. Wir müssen das Ding nur vor den Senat bringen und uns die Schürfrechte sichern. Dann sind wir gemachte Männer.«
Einer seiner Begleiter erhob erneut das Glas, trank und sprach: »Auf das Imperium. Möge es ewig leben, wachsen und gedeihen. Möge es mit Hilfe dieser neuen, leistungfähigeren Hyperkristalle seine Gegner in die Knie zwingen und besiegen.«
Dann brachen die drei in ihrem Rausch zusammen und schliefen mit den Köpfen auf dem Tisch ein.
Leises Gemurmel machte sich im Pub breit. Ryan wurde darauf schnell aufmerksam und gab seinen Bediensteten unauffällige Zeichen, dass sie sich bereit halten sollten, falls es zu Handgreiflichkeiten kommen würde. Aber noch blieb alles ruhig.
Doch plötzlich war der Rostate am Tisch der Vermenen. Er hatte sich auf den Weg zur Toilette gemacht und hatte wie beiläufig seine Hand in Richtung des frei liegenden Kristalls gleiten lassen.
Ein Schuss aus einem Blaster jagte in die speziell verstärkte Deckenkonstruktion und verpuffte dort, ohne einen Schaden anzurichten.
Der Dieb zuckte zusammen und sah sich ängstlich um. Die meisten Anwesenden hatten bereits ihre Hände an den Waffen, doch keiner von ihnen hatte bisher eine gezogen. Ryan hatte den Schuss abgegeben.
»Lass den Stein los und setz dich wieder auf deinen Platz. Kümmer dich um deine Geschäfte und vergiss deine kriminellen Gedanken. Dann werden wir hier alle friedlich miteinander auskommen. Du kennst schließlich die Regeln, die in meinem Pub gelten.«
Der Rostate legte den Kristall vorsichtig zurück und setzte sich wieder an seinen Platz.
Die Gespräche flammten wieder leise auf, doch es war zu spüren, dass es nur noch um den seltsamen Stein ging. Jeder schien ihn besitzen zu wollen, doch sie wussten alle, dass niemand an Ryans wachsamem Auge würde vorbei kommen können. Es musste andere Möglichkeiten geben.
Nach und nach leerte sich das Lokal. Innerhalb weniger Minuten waren alle Gäste verschwunden. Es blieben lediglich die betrunkenen Vermenen zurück.
Ryan sah sich betrübt um und ging zu seinen letzten Gästen. Er nahm den Stein hoch, betrachtete ihn und packte ihn in die Tasche des Vermenen.
»Und wegen diesem Ding werd ich heute früher schließen müssen, weil alle Gäste nun heiß auf Beute geworden sind. Es ist traurig.«
Er weckte die Betrunkenen und scheuchte sie in eines der Gästezimmer.
»Schlaft erst mal euren Rausch aus. Und ich dachte immer, dass Vermenen mehr vertragen würden.«

Die Jagd hatte begonnen. Nach und nach hatten viele Händler, Diebe, Piraten und andere ihre kleineren oder größeren Raumschiffe betreten. Sie alle waren in größter Eile und Hektik und allesamt befahlen sie ihren Spezialisten, sich in den Bordcomputer der Vermenen zu hacken, wenn sie es nicht sogar selbst taten.
Einer von ihnen war Maktat. Er war ein Halone. Doch das sah man ihm nur an seiner Stirn an, denn er war, im Gegensatz zu seinen Artgenossen, eher von kleinem und schmächtigen Wuchs. Daher hatte er nie großes Interesse an Auseinandersetzungen und Kriegen gezeigt. Er war Handelsvertreter, wie er selber sagte. Andere, die ihn kannten, würden auch Pirat sagen.
Für die Drecksarbeit hatte er allerdings seine Leute.
»Diese dreckigen weißblüter haben eine Hyperkristallmine entdeckt. Aber noch scheint niemand davon zu wissen. Also macht euch an die Arbeit und holt mir alle notwendigen Informationen aus ihrem Computer. Und seht zu, dass niemand sonst darüber verfügt.«
Er sah in die Runde. Vier Halonen, groß gewachsen und blutdurstig starrten ihm entgegen. Sie hatten nun Blut geleckt und konnten es kaum erwarten, in Aktion zu treten.
»Worauf wartet ihr noch, ihr dummen Kerle. Raus mit euch. Verschafft euch Zugang in das vermenische Schiff.«
Der Einsatztrupp setzte sich in Bewegung.

Es sollte nicht lange dauern. Maktats Leute brauchten nur wenige Minuten, bis sie das Raumschiff geentert und die Kommandobrücke gefunden hatten.
Kurzerhand trennten sie die Verbindungskabel des Computer von der Funkeinheit mit einem sauberen Messerschnitt. Nun konnte niemand mehr von außen auf die brisanten Daten zugreifen. Anschließend kopierten sie alles, was sich in den Speichern befand auf einen mobilen Datenträger und verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.

Maktat war zufrieden. Er hatte, was er wollte und wertete die Daten selbst aus. Es dauerte ganze zwei Stunden, bis er fand, wonach er suchte.
»Da, seht euch das an, ihr Schwachköpfe. Sie sind viel herum gekommen, aber ihren einzigen Zwischenstopp haben sie im Megan-Sektor gemacht. Dort werden sie den Kristall gefunden haben.«
Seine Augen leuchteten vor Begierde.
»Wir werden steinreich und verhelfen dem halonischen Reich zu neuem Glanz. Wir werden uns über alle anderen Völker erheben und sie endgültig unterwerfen. Wir werden die Herren der Galaxis.«
Er sah in die Runde und bemerkte die geifernden Blicke seiner Leute.
»Was starrt ihr mich so an? Werft lieber die Maschinen an und bringt das Schiff auf Kurs. Wir haben keine Zeit zu verlieren.«
Zwei Minuten später hob das Raumschiff ab und flog dem Sternenmeer entgegen.
Maktat war allerdings sehr unaufmerksam gewesen. Es war ihm entgangen, das bereits vor ihm schon mehrere Schiffe den Raumhafen verlassen hatten und ihm eine noch größere Anzahl in einem unauffälligen Abstand folgten.
Offenbar waren nun alle Besucher des Pubs auf dem Weg nach Megan. Das Rennen um die Kristalle hatte begonnen.

Wicklan, der Rostate war einer der ersten, die aufgebrochen waren. Er hatte in seiner Crew Spezialisten für alle Eventualitäten. Noch bevor er sein eigenes Raumschiff betreten hatte, bekamen sie ihre Instruktionen. Während Maktat sein Team los schickte, hatte der Rostate bereits alle Informationen der Vermenen in seinen Computer überspielt.
Der Altoster Felton war eher ein gemütlicher Typ. Er trank in Ruhe seinen Kaffee aus, bevor er aufbrach. Niemand erwartete ihn in seinem Schiff, er flog immer allein. Die Arbeit überließ er trotzdem anderen. Er wartete darauf, dass die Halonen sich die nötigen Informationen auf die eine oder andere Weise besorgten und hängte sich ihnen an die Fersen. Während seines Fluges kontaktierte er einen Trupp Söldner, der immer wieder gern für ihn arbeitete. Felton bezahlte immer pünktlich und großzügig. Das garantierte ihm eine gewisse Loyalität und zufriedenstellende Erledigung der Aufgaben. Die Halonen würden ihre Beute vielleicht noch zu sehen bekommen, sie aber nicht mehr lebend in ihr Schiff bringen können.
Es gab noch ein paar andere mehr oder weniger gerissene Gauner, die nun auf dem Weg nach Megan waren. Sie hatten alle ihre speziellen Methoden gehabt, um an die nötigen Hinweise zu kommen, wo sich die Kristallmine befand. Alle hatten etwas gemeinsam: Sie waren von sich zu einhundert Prozent überzeugt, dass sie den anderen zuvor kommen würden.

Maktats Raumschiff fiel aus dem Hyperraum und schwenkte schnell in den Orbit um den sechsten Planeten ein. Er lies sofort die komplette Sensorenphalanx arbeiten.
»Ich muss wissen, wer sich hier sonst noch alles befindet. Ich will keine Überraschungen erleben.«
Doch der Scan bestätigte seine Hoffungen. Er war allein.
»Richtet jetzt alle Sensoren auf den Planeten. Je eher wir die Mine gefunden haben, desto eher können wir Besitzansprüche geltend machen. Dieser Sektor gehört zu keinem der großen Imperien oder Sternenbünden. Wir müssen einfach die ersten sein.«
Vor seinem geistigen Auge stellte er sich bereits vor, welche Anstrengungen noch vor ihm lagen. Es hiess nicht nur, die Mine in Beschlag zu nehmen und vor anderen gierigen Geiern zu verteidigen. Er musste auch vor allen anderen ein festes Lager einrichten. Nur so konnte er den Planeten für das halonische Reich in Besitz nehmen. Die Bordausrüstung würde so gerade dafür reichen.
»Und wenn nicht, dann reißen wir zur Not unnötige Verkleidungen von den Wänden und bauen ein paar Träger aus, die nicht unbedingt gebraucht werden. Ich will mir dieses Prachtstück nicht wegschnappen lassen.«
Auf einem der Monitore leuchtete plötzlich etwas auf.
»Mein Herr, ich glaube etwas gefunden zu haben. Es hat Ähnlichkeiten mit der Wellenfrequenz von Hyperkristallen, hat aber gewisse Abweichungen von der Norm. Das könnte das unbekannte Material sein.«
Maktat lies sich die Daten auf den Hauptschirm legen und betrachtete sie eingehend.
»Das ist es. Macht euch startklar, tarnt das Schiff und dann transferieren wir uns auf die Oberfläche.«
Fünf Minuten später standen sie mit ihrer Ausrüstung im Transporterraum und warteten auf den Transfer zur Oberfläche.
Maktat bediente die Kontrollen von der Brücke aus. Seine Leute lösten sich auf, wurden im Musterpuffer gespeichert und bauten sich einen Moment später auf der Oberfläche wieder zusammen.
Dann schaltete er zurück auf die Sensorergebnisse und begann zu rechnen, was es ihm an Reichtum bringen würde, wenn diese spontane Mission erfolgreich enden würde.
Doch dadurch sah er nicht, was sich im selben Augenblick um ihn herum tat.
Innerhalb weniger Minuten fielen ein gutes Dutzend Raumschiffe in den Normalraum zurück.

Ryan bekam von allem nichts mit. Er schloss am nächsten Morgen die Tür des Pubs auf und brachte die Lieferung der nahen Brauerei in den Keller. Es war in der letzten Nacht zwar nichts mehr getrunken worden, aber der Vorrat war bestellt.
Nachdem er seine Arbeiten erledigt hatte, ging er die schmale Treppe zum nächsten Stockwerk hinauf. Es wurde Zeit, die Gäste des letzten Abends zu wecken. Er musste über den Vormittag, die Zimmer neu herrichten.
Er klopfte an die Tür der Vermenen, bekam aber keine Antwort. Er klopfte ein weiteres Mal, doch wieder erfolglos.
Dann zückte er einen Schlüsselbund aus der Tasche und schloss die altertümliche Tür auf.
Als er das Zimmer betrat, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Die Betten waren leer, auf dem Boden davor lagen die Vermenen, oder vielmehr, was von ihnen übrig war.
Sie waren nur noch leere Hüllen. Wie der Rest einer gehäuteten Schlange lagen sie dort. Dafür standen am Fenster drei Wesen unbekannter Art. Sie sahen hinaus und lösten sich dann auf.
»Verdammte Zechpreller. Was soll das?«
Ryan war wütend. Zuerst hatten sie ihm in ihrer Maskerade vorgegaukelt, vermenischen Ursprungs zu sein und nun verschwanden sie, ohne die Rechnung zu bezahlen.
»Ich sollte mir doch endlich mal ein Anti-Transferfeld um den Pub legen lassen. Eines Tages werd ich sonst noch durch solche Gäste in die Pleite rasen.«
Er packte die Gummihäute und warf sie in den Desintegrator.

Im Megan-Sektor breitete sich eine gewisse Goldgräberstimmung aus. Die Neuankömmlinge näherten sich dem Planeten, landeten, ließen Shuttles zu Boden oder transferierten Teams an die Oberfläche. Überall wurde hitzig nach den blauen Kristallen gesucht.
Dem unbeteiligten Beobachter wäre aber aufgefallen, im Gegensatz zu den Raumschiffbesatzungen, dass jeder Minensucher auf seinen Monitoren andere Anzeigen bekommen hatte. Niemand suchte im Gebiet eines anderen.
Maktat schwelgte noch immer in seinen Träumen, als er plötzlich eine Anzeige sah.
»Verdammt nochmal, was ist da los?«
Er schaltete den Hauptschirm auf die Außensensoren und sah sich einer kleinen Flotte von Schiffen gegenüber.
»Hat diese verdammte Brut von Idioten den Weg hierher doch schneller geschafft, als ich es gedacht hatte.«
Er schlug mit der Faust auf eine Kommunikationstaste.
»Maktat an Außenteam. Die anderen sind bereits im System angekommen und machen sich auf die Suche. Passt auf und lasst euch nicht überrumpeln. Wenn euch jemand in die Quere kommt, schießt ihn über den Haufen.«
Er wartete noch auf eine Antwort, hörte aber nur ein leises Rauschen und Knistern aus den Lautsprechern.
Erneut versuchte er, seine Leute zu kontaktieren, aber es meldete sich niemand.
Er schwenkte seinen Sessel herum, ging an die wissenschaftliche Konsole und scannte den Planeten. Von seinem Team oder anderen Goldgräbern war keine Spur zu finden.
Er konzentrierte sich auf den Weltraum in seiner nächsten Umgebung. Die meisten Schiffe waren unbemannt oder mit maximal einer Person besetzt.
»Ich verstehe das nicht. Sie sind alle auf dem Planeten, aber irgendwas stört sowohl Kommunikation, als auch Sensoren. Da ist doch etwas faul.«
Er setzte sich wieder hin, dazu verdammt, nichts unternehmen zu können – als er plötzlich etwas auf dem Hauptschirm entdeckte.
Es war ein kleines Schiff, gerade groß genug, um einem Lebewesen von humanoider Gestalt Platz zu bieten. Es flog langsam an allen Schiffen vorbei, scannte, beobachtete. Nur den halonischen Transporter lies es links liegen. Der Tarnschild war also in tadellosem Zustand.
Dann tauchten weitere Schiffe auf, insgesamt achtundsiebzig an der Zahl. Sie waren größer und vor allem stark bewaffnet. Maktat war zwar erschrocken, aber klar genug bei Verstand, um sofort die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.
Er lies den Computer die Schiffe mit der Datenbank vergleichen und kam zu einem erschreckenden Ergebnis.
»Das kann nicht möglich sein. Die Schiffe stammen aus den Flotten von Halon, Terra, Vermena und dem Reich der kriegerischen Tramiten. Wie kann so ein Verbund entstehen?«
Er dachte nach, bis ihm die Lösung kam.
»Piraten!«, schoss es ihm durch die Gehirnwindungen.
Er sprang auf, lies sofort den Antrieb warm laufen und bereitete einen Fluchtkurs vor. Keinen Gedanken verschwendete er mehr an seine Leute oder Gegenspieler. Sie waren alle bereits tot, wussten es nur noch nicht.
Zwanzig Schlachtkreuzer der Piratenflotte schwenkten in den Orbit ein und begannen die Oberfläche mit Torpedos einzudecken, die anderen enterten die Transport- und Händlerschiffe.
Maktat beschleunigte mit Höchstwerten und sprang in die Sicherheit des Hyperraums.

Ein paar Tage später saß ein Händler mit seinen Leuten an Ryans Bar. Sie tranken alle dunkles Bier und erzählten sich Geschichten.
»Habt ihr das gehört, was im Megan passiert ist? Da ist ein rundes Dutzend Händler aufgerieben worden. Hat kein einziger überlebt. Im TriVid berichten sie auf allen Kanälen darüber. Diese verdammten Piraten haben wieder zugeschlagen. Ich frag mich nur, wie sie es immer wieder schaffen, so viele von uns an einen Ort zu locken, weit genug weg von der Föderation und anderen Großmächten. Die sind doch alle verrückt in den Gehirnwindungen, sich so weit von den bekannten Transportrouten zu entfernen.«
Maktat saß in einer Ecke des Pubs, trank seinen Kaffee aus und hörte nur mit einem Ohr hin. Es waren nicht alle gestorben. Es gab einen einzigen Überlebenden. Doch damit wollte er niemanden belästigen. Medienrummel konnte er nicht leiden.
Er schlenderte an die Bar, bezahlte und ging zurück zu seinem Schiff. Es war an der Zeit, eine neue Mannschaft anzuheuern.
Als er durch die Tür nach draußen trat, betrat gerade ein junger Rigalene das Lokal, setzte sich an den Tisch in der Mitte und bestellte ein großes Pint Guinness. Er trank es in einem Zug und bestellte sofort Nachschub.
Nachdem sich seine Zunge gelockert hatte, spielte er mit einem seltsamen Objekt, dass er aus seiner Tasche hervor geholt hatte. Es leuchtete in einem hellen Rot vor sich hin.
»Ist schon seltsam, was manche Wesen dafür alles bezahlen würden. Es soll ja angeblich das Leben um Jahrhunderte verlängern und den Körper verjüngen. Jetzt muss ich nur noch einen anständigen Preis dafür aushandeln und eine Handelsroute ausarbeiten, dann bin ich ein gemachter Mann.«
Es wurde still in Ryans Pub. Die Händler an den anderen Tischen hatten Blut geleckt und gierten nach neuen Geschäftsideen.

(c) 2009, Marco Wittler

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