Symbiose [Science Fiction]

Posted by Marco on 19. Dezember 2013as , , , , , , ,

Symbiose (inspiriert durch Star Trek)

Schweißgebadet wachte ich auf. Ich saß mittlerweile aufrecht im Bett, obwohl, bis vor wenigen Augenblicken noch geschlafen hatte.
Doch was hatte mich geweckt? War es ein Alptraum gewesen?
Oder quälten mich schon wieder die Erinnerungen an mein altes Leben?
Die Schatten der bisherigen Nacht verblassten bereits wieder. Nichts blieb, außer der Angst, dass mich alles irgendwann wieder einholen würde. Die Frage war nicht das Ob, sondern nur das Wann. Ich hatte schließlich oft genug erfahren müssen, dass man vor rein gar nichts davon laufen kann. Und doch tat ich es immer wieder aufs Neue.
Ich schlug die Decke beiseite und stand auf. An weiteren Schlaf war eh nicht mehr zu denken. Ich setzte mich an mein Computerterminal und rief die Artikel wieder auf. Von Zeit zu Zeit las ich sie, um es nicht zu vergessen, obwohl ich irrsinniger Weise ständig die Hoffnung hatte, endlich alles vergessen zu dürfen. Doch es verfolgte mich wie ein Fluch. Ich kam einfach nicht dagegen an.
Egal, wie weit ich mich auch entfernte, egal auf welche unscheinbaren Welt voller Hinterwälder ich mich befand, der Schrecken begleitete mich und schlug unbarmherzig zu, wenn ich es am wenigsten erwartete.
Eines Tages würde ich mich dieser Sache stellen müssen, aber im Moment war ich einfach noch nicht bereit dafür.

Es war vor ein paar Jahrhunderten. Mein Geist verarbeitete die ersten Reize von außerhalb. Ich spürte plötzlich, dass ich nicht allein war. Da waren andere. Sie waren wie ich und doch glich mir keiner im Detail. Wir waren hilflose Geschöpfe, unfähig, nicht in der Lage uns zu höherem aufzuschwingen. Wir spürten, dass wir die Hilfe anderer Wesen brauchten.
Wir wussten damals nicht, wie diese Hilfe aussehen sollte, und wenn ich es auch nur geahnt hätte, wenn ich einst gewusst hätte, was es auch mir machen würde, dann hätte ich meinen Geist schon damals sofort verkümmern lassen. Ich hätte mich niemals darauf eingelassen. Aber nun ist es für mich, wie eine Droge. Ich komme nicht mehr davon los. Es hat mich in seiner Gewalt. Statt des Freitodes will ich leben – ewig leben. Ich will das Diesseits niemals mehr verlassen müssen.
Doch all diese Gedanken waren mir damals noch nicht gekommen.
Wir lagen in einer Nährflüssigkeit. Wir sogen uns mit der zum Überleben nötigen Energie voll, wir kommunizierten untereinander, aber von der Welt da draußen wussten wir nichts. Wir hatten keine Ahnung, wer oder was uns am Leben erhielt, aber das war uns auch egal. Wichtig war nur der Umstand, dass es getan wurde.
Wir stellten Thesen auf, diskutierten, schufen in unserer Phantasie Gottheiten, die über uns wachten – bis schließlich die Stunde der Wahrheit kam.
Wir wurden weniger. Man riss unsere kleine Gemeinschaft auseinander. Nach jedem Zyklus verschwand einer von uns und kehrte nie zurück. Schließlich blieb ich allein zurück.
Die Einsamkeit umfing mich, schloss mich ein, sog mich in sich, versuchte mich zu töten. Aber ich wehrte mich, hielt stand. Ständig litt ich unter der Angst, verrückt zu werden, den Verstand zu verlieren. Aber ich hielt aus.
Bis schließlich ein weiterer Zyklus begann und auch ich verschwand.

Über mein Terminal wanderten die Seiten von unzähligen Fachblättern. Zwischen den Zeilen waren Abbildungen, die Schreckliche Dinge zeigten. Sie waren der Beweis für die Vergewaltigung überlegender Geister. Unsere Hilflosigkeit war schon seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden immer wieder schamlos ausgenutzt worden. Wir wurden gezwungen uns einer neuen Existenzform unterzuordnen. Wir wurden ohne unsere Einwilligung zu etwas geformt, dass wir nie sein wollten.

Der Moment außerhalb meiner bisherigen Welt währte nur einen kurzen Augenblick. Sofort ergriff mich eine schmerzhafte Kälte. Von überall schien polare Luft auf mich einzutreffen. Ich dachte bereits an meinen bevor stehenden Tod. Doch dann war diese Empfindung bereits wieder vorbei.
Ich glitt zurück in die Wärme. Doch war es nun völlig anders, als jemals zuvor. Die Freiheit in der Nährflüssigkeit war nicht mehr existent, die Möglichkeit, sich dahin treiben zu lassen genommen. Ich steckte nun in etwas drin. Es umfing meinen Körper völlig, ich kam nicht vor, nicht zurück. Es hatte mich gefangen.
Doch dann strömten plötzlich ganz neue, völlig fremdartige Empfindungen auf mich ein, sie drangen in meinen Geist, nahmen von ihm Besitz.
Mit einem Mal konnte ich meine Umgebung sehen, ich konnte sie hören, schmecken, riechen und auch spüren.
Das waren nie gekannte Dinge, und ich wusste, dass sie falsch waren. Diese Sinne gehörten nicht zu mir und ich durfte sie auch nicht besitzen. Sie gehörten nicht zu meiner Form der Existenz. Ich war dafür bestimmt, ein Intellekt zu rein, reiner Geist.
Und kurz darauf schien ich völlig verrückt zu werden. Es kam so unerwartet, dass es mich aus Bahn warf, mich überrumpelte und beinahe zerstört hätte.
Da waren Gedanken. Da waren Erinnerungen. Da war ein neuer Geist. Er war anders und er zwang sich mir auf.
Ich konnte spüren, wie sich etwas mit meinem Körper verband, in mich eindrang, Besitz von mir ergriff. So, wie es körperlich über mich kam, kam es nun auch geistig. Dieses Fremde drang ein, lies sich nieder.
Zuerst hatte ich Angst verdrängt zu werden. Doch dann verband sich sein Geist mit meinem Geist. Wir wurden Eins. Wir spürten zusammen, sahen, fühlten, schmeckten, rochen, hörten zusammen. Wir dachten gemeinsam und wussten, was in dem anderen vorging.
Von nun an würde ich nie wieder allein sein, das wusste ich. Ich würde auf ewig mit diesem Anderen verbunden sein.
Innerlich begann ich zu schreien. Ich versuchte dem Schmerz Gehör zu verschaffen. Doch niemand konnte mich und die Agonie, unter der ich litt hören.
Die Tür zu meinem Gefängnis schnappte zu und hielt mich für immer fest.

Es gab Verwirrung auf beiden Seiten. Mein Wirt, wie sie sagten, litt ebenfalls noch unter der Verschmelzung, aber wir würden uns schon daran gewöhnen.
Doch warum an etwas gewöhnen, dass man nicht mochte, das einen ängstigte und vor kam, wie eine geistige und körperliche Vergewaltigung. Ich fühlte mich missbraucht. Ich war nie gefragt worden, man hatte es einfach getan.
Ich fand keinen Weg meinen Geist auf irgendeine Art und Weise zu beruhigen. Ich konnte mich nirgendwo verkriechen, für mich allein sein. Dieser fremde Geist war permanent bei mir – in mir drin.
Nach und nach pervertierte ich zu etwas, dass sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Ich wurde verrückt.
Wirre Bilder füllten nun mein Wesen aus. Wilde Phantasien umfingen mich, gaben mir ein Stück einer intimen Welt zurück. Doch die Wahrheit war eine andere. Hinter der Mauer, die ich um mich aufbaute, war noch immer dieses Wesen. Es schlug gegen meine Festung aus Wahn- und Irrsinn. Es begehrte Einlass, forderte die dauerhafte Verschmelzung mit mir als seinen Tribut. Es drohte, es weinte, es bettelte. Aber in dem Zustand, in dem ich mich befand, dümpelnd, über einem Meer aus Hoffnungslosigkeit und Desinteresse, hatte ich keine Möglichkeit, mich aus der Katatonie zu lösen. Ich hatte mich von einem in ein andere Gefängnis geflüchtet. Und der Ausweg von hier war noch schwieriger.
Das andere Wesen kam mit dieser Situation nicht zurecht. Es trieb unweigerlich auf einen Strudel der Selbstzerstörung zu. Es fand keinen Halt mehr, sein Verstand zerbröckelte, fiel schließlich gänzlich in sich zusammen. Ich blieb zurück in einem Körper, der von seinem Geist nicht mehr kontrollierbar war. Nur ein paar kurze Augenblicke von wenigen Minuten der Klarheit unterbrachen diese Hölle.
Der letzte von ihnen diente dazu, diesem Dasein ein Ende zu bereiten. Durch seine Augen sah ich die glitzernde Stahlklinge, die sich kurz darauf nur wenige Zentimeter über mir in das Gewebe bohrte.
Wir verloren Blut, sehr viel Blut sogar. Es dauerte nur einen Moment, bis die Körperfunktion zusammen brach. Dann war ich allein.
Endlich wieder allein. Ich brach aus meinem Gefängnis aus, spürte die Einsamkeit, die nun wieder auf mich eindrang. Es war ein erhebendes Gefühl. Ich war an meinem Ziel angelangt.
Doch was war das?
Jemand öffnete den erkaltenden Körper. Jemand griff hinein, und zog mich heraus. Schon hoffte ich, dass ich gleich in einen Behälter mit Nährflüssigkeit getaucht würde, mein Leben so leben durfte, wie es von der Natur her bestimmt war. Doch der Alptraum begann erneut.
Ich konnte es spüren. Man quetschte mich in einen neuen Körper. Und schon waren sie da. Es kamen Gedanken auf mich zu, viele Gedanken. Sie waren anders. Und doch glichen sie meinem verstorbenen Wirt. Ich steckte in einem weiteren Exemplar seiner Art.
Exont nannten sie sich. Eine seltsame Bezeichnung für eine halbwegs intelligente Lebensform.
Würde nun, da ich in einem weiteren Gefängnis steckte, alles wieder von vorn beginnen?

Erneut drangen die Gedanken in mich ein, versuchten mit mir zu verschmelzen. Sie waren roh. Sie taten mir Gewalt an, zwangen sich mir auf. Nur mit Mühe und Not konnte ich eine Mauer errichten, die mir ein wenig Schutz brachte. Doch musste ich nun immer auf der Hut sein, denn dieser Geist war stark, sehr stark sogar. Meine Mauer bröckelte ständig an vielen Stellen. Er rannte gegen mein selbst gewähltes Gefängnis ein, wollte es zum Einsturz bringen. Es kostete mich viel Kraft, und ich wusste, dass ich nicht ewig aushalten konnte. Eines Tages würde ich verlieren.
Also entschloss ich mich zu einer anderen Taktik. Ich ging zum Angriff über.
Ohne eine Vorwarnung sprengte ich alle Mauern. Es war in einem Augenblick, als der Fremde dagegen anging. Er stürzte in mich hinein. Er fiel in eine Tiefe, die er nie erwartet hatte. Und bevor er sich befreien konnte, baute ich mein Mauerwerk wieder auf und hielt ihn in mir gefangen, schlug mental auf ihn ein und zerstörte, was auf diese perverse Art und Weise mich hatte überfallen wollen.
Er wehrte sich, schließlich konnte er sich nur noch verteidigen, bis er nach Stunden aufgab und in sich zusammen brach. Sein Geist war gebrochen – zerstört. Ich hatte ihn getötet.
In diesem Moment verschwand seine Verbindung zu seinem Körper und er starb.
Ich hatte die kleine Hoffnung, nicht noch einmal diesen Wahnsinn erleiden zu müssen. Zweifelsohne würden sie es versuchen, aber dennoch hoffte ich, sie wären nicht schnell genug und ich würde ebenfalls in die Arme des Todes gleiten dürfen. Doch sie ließen mich nicht.
Ich war zum Leiden auserwählt. Sie vergewaltigten mich ein weiteres Mal.

Dar.‹
Dar.‹
Dar.‹
Ein Stimme schien mich zu rufen. Ich konnte sie hören. Ich hatte mich in einer geistigen Ecke verbarrikadiert und harrte auf eine bessere Zukunft. Daher unterdrückte ich den Wunsch, der Stimme nachzugehen.
Dar, kannst du mich hören? Wo steckst du?‹
Immer wieder versuchte die Stimme zu mir vorzudringen. Selbst der Geist des Exonts war nicht mehr zu vernehmen. Ich hatte mich perfekt von ihm abgeschottet. Ich lies keinerlei Kommunikation mit ihm zu und trieb auch ihn damit in den Wahnsinn.
Recht so. Warum sollte es ihm besser gehen als mir.
Was was konnte es sein, dass mich hier aufsuchte? Was war es, das mich aus der Reserve locken wollte?
Es konnte sich nur um eine Falle handeln. Was anderes konnte es nicht sein. Ich konnte den Braten förmlich riechen. Und ich nahm mir vor, nicht darauf herein zu fallen.
Dar, bitte komm hervor, wir müssen reden.‹
Ich spürte ein leichtes Zupfen am Rande meines Geistes. Es schien zu wissen, wo ich mich befand. Und trotzdem nahm es mich nicht nicht brachialer Gewalt. Es war mehr wie ein sanftes Streicheln, ein behutsamer Kontakt, um mir zu zeigen, dass ich vertrauen durfte.
Durfte ich das wirklich? War dies nicht auch Teil des angelegten Plans? Aber was hatte ich denn zu verlieren?
Es wusste mich zu finden, es hatte bereits ohne Schwierigkeiten meine Mauern überwunden, ohne sie zu sprengen, es war in mein Gefängnis eingedrungen, ohne Gewalt. Es stand in einer nicht vorhandenen Tür, vielleicht eher einer unendlich dünnen Mauerritze. Und dort blieb es stehen. Es ging nicht weiter, keinen einzigen Schritt. Stattdessen streckte es mir die Hand entgegen und wartete darauf, dass ich den nächsten Schritt tat.
Und ich tat ihn.
Langsam tastete ich mir vor. Öffnete meinen Geist ein wenig, sah durch einen dicken Vorhang hindurch, versuchte mein Gegenüber zu erspähen.
Wer bist du? Was willst du von mir? Warum kannst mich nicht einfach hier in Ruhe lassen?
Es blieb wo es war. Aber es lockte.
Dar, komm zu mir, vertrau mir. Ich will dir helfen.‹
Ich ging weiter darauf zu, folgte der unhörbaren Stimme.
Mir kann keiner helfen. Ich bin gefangen und werde langsam verrückt. Auch du wirst mich daraus nicht befreien können.
Nun kam es mir langsam entgegen. Ich blieb stehen, rührte mich nicht mehr weiter, aber es hatte mich kommen sehen und wusste nun genau, wo ich war. Es kam näher und näher, bis es bei mir war. Sein Geist berührte meinen Geist. Es umschmeichelte mich, gestattete mir, einzutauchen. Ich sah seinen Geist vor mir liegen, alles war offen, nirgendwo wurde ich aufgehalten. Es lies alles zu, lies alles geschehen. Für einen kurzen Augenblick wurden wir eins. Ich sah seine Erfahrungen, seine Erinnerungen, ich sah alles, was diesen Geist ausmachte. Und plötzlich wusste ich alles.
Du bist wie ich. Du bist mir gleich. Und – ich kenne dich.
Tatsächlich hatte ich ein Wesen vor mir, das von meiner Art war. Es war einer meiner Gefährten in der Nährlösung gewesen. Wir hatten Gedanken ausgetauscht und über unser Leben philosophiert. Wir waren damals eins gewesen und waren es auch an diesem Tag. Das Schicksal hatte uns offenbar wieder zusammen geführt.
Ich bin zu dir gekommen, um dir zu helfen. Ich will dich aus deinen Zwängen befreien, dir deine Zukunft offenbaren, dir alle Möglichkeiten aufzeigen, die sich dir bieten.‹
Bolt war sein Name. Es fiel mir wieder ein, oder vielmehr sah ich es in seinem Geist. Und ich sah so viel und noch viel mehr.
Plötzlich war mir alles so klar. Es lag vor mir, wie ein offenes Buch.
Auch er war in die Symbiose gegangen. Er hatte bereits viel Zeit in einem Wirtskörper verbracht, hatte gelernt, sich mit ihm geistig und körperlich zu verbinden. Sie waren eine Einheit, waren Freunde geworden. Sie waren ein ganz neuer Geist geworden, teilten jeden Gedanken miteinander, tauschten sich aus. Sie waren in der Zweisamkeit so viel mehr geworden, als jeder von ihnen einzeln hätte erreichen können. Sie waren in der Evolution eine Stufe höher gestiegen.
Es war nie als eine Strafe oder ein Gefängnis für mich geplant gewesen. Es war nie böswillig geschehen. Es war einfach der Lauf unserer Natur. Es war vorgesehen, dass meine Art sich mit einer anderen verschmolz. Wir ergänzten und bereicherten uns gegenseitig. Es war ein Privileg und keine Folter.
Ich war zu Höherem geboren und hatte es nur nie angenommen, nicht einmal geahnt, dass es mir so bestimmt war.
Es hat bei deiner Vereinigung Probleme gegeben. Es grämt das Komitee, dass es Fehler gemacht hat. Doch das soll nicht wieder vorkommen. Es will sich bei dir entschuldigen und verspricht eine Wiedergutmachung.‹
Wir redeten lange. Dabei erfuhr ich, dass ich dafür bestimmt war, mit einem wichtigen Wissenschaftler vereinigt zu werden, einem mit ebenbürtigen Geist. Aber es waren Unterlagen vertauscht worden.
Ein anderer meiner Art war dazu vorgesehen, eine wichtige Persönlichkeit aus einem psychischen Trauma hervor zu holen. Stattdessen landete er im Wissenschaftler, welcher dadurch in einer Anstalt landete. Ich hingegen wurde von meinem falschen Wirt derart bedrängt, dass mir die Erfahrung gefehlt hatte, gegen ihn zu opponieren. Wir schädigten uns gegenseitig.
Der Fehler fiel erst auf, nachdem durch mich zwei Individuen gestorben waren und ich die dritte Vereinigung hinter mir hatte.
Auch dein jetziger Wirt hat Schäden davon getragen. Doch das ist nicht deine Schuld. Du kannst nichts dafür, denn du hast dein eigenes Trauma durchlebt. Man wird euch wieder voneinander trennen.‹
Bolt lies mich wissen, dass bereits ein neuer, vierter Wirtskörper für mich bereit war. Er hatte eine spezielle Schulung erhalten, um eine Vereinigung mit mir und eine Heilung meines Geistes beschleunigen zu können. Er war extra für mich vorbereitet worden.
Mein derzeitiger Wirt würde nie wieder vereinigt werden können, aber immerhin hatte waren seine Schäden so gering, dass er ein normales Leben ohne ein Wesen meiner Art würde führen können.
Ich bekam Mitleid mit ihm, denn hätte ich davon gewusst, hätte ich mich anders verhalten. Ich nahm mir vor, ihn aufzusuchen und mich dafür zu entschuldigen, was ich ihm angetan hatte.

Ein paar Stunden später war es durchgestanden.
Ich wurde in den neuen Wirtskörper eingebettet, spürte, wie er mich freundlich und wärmend umarmte, in sich aufnahm.
Noch immer hatte ich Angst, wollte nicht überfallen und vergewaltigt werden. Aber ich lies zu, was er tat. Und als er seinen Geist mit dem Meinigen verband, sah ich alles klar vor mir. Es war so anders als ich es mir jemals vorgestellt hatte. Es war ein Wunder der Natur, dass so etwas überhaupt möglich war. Es eröffneten sich mir völlig andere Sichtweisen.
Wir ergänzten uns in jeder Hinsicht. Wir tauschten uns aus, diskutierten. Es war das unglaublichste Erlebnis meines Lebens. Ich war dort angekommen, wo ich hin gehörte.
Nun waren wir Talon Dar. Wir waren Eins geworden.

Geratin Bort stand vor mir und schüttelte mir die Hand.
»Es ist endlich überstanden, mein Freund. Du bist zu Hause angekommen. Du hast einen langen Heilungsprozess hinter dich gebracht. Ich denke, es wird nun Zeit, dass du beginnst, Erfahrungen zu sammeln und dein Leben zu leben. Geh hinaus in die Welt, vielleicht sogar weit davon fort in die Galaxis.
Aber was du auch machst, ich werde dir dafür alles nur erdenklich Gute wünschen.«
Er sah mir die Dankbarkeit an. Ich – wir, waren glücklich. Und es wurde tatsächlich Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen.
Noch am gleichen Nachmittag, stand ich in einem Rekrutierungsbüro der Raumflotte und unterschrieb den Vertrag. Schon bald würde ich an Bord eines Raumschiffes meinen Dienst versehen und in die unendlichen Weiten des Alls vordringen.

(c) 2007, Marco Wittler

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