Zimmermann ermittelt (4) – Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 19. Dezember 2013as , , , , , , , , , , ,

Zimmermann ermittelt – Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Kommissar Zimmermann fluchte innerlich, als er von Inspektor Schmidt seinen Kaffee entgegen nahm. Nicht nur, dass es November war – der Monat, den Zimmermann am wenigsten leiden konnte – nein, es war auch noch kalt und regnete bereits seit Tagen ohne Pause. Der Boden unter seinen Füßen war aufgeweicht und besudelte seine Schuhe mit Matsch. Zumindest hatte er dieses Mal nicht zu lange auf das schwarze Gebräu warten müssen. Der deilinghofer Friedhof, auf dem sie sich gerade aufhielten war nur ein paar hundert Meter von seinem Stammcafé entfernt.
»Was haben wir denn hier? Klären sie uns bitte auf, bevor ich mir wegen des Wetters den Tod hole.«, wandte er sich an die Herren der Spurensicherung, bevor ihm bewusst wurde, dass er seinen dummen Spruch auf dem Friedhofsgelände neben einer Leiche gesagt hatte.
»Das Opfer heißt Marcel Oberberg. Der Junge ist gerade mal siebzehn Jahre alt geworden. Heute Nacht zwischen zwei und drei wurde er mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen. Es wurden ihm damit der Hinterkopf regelrecht zertrümmert und die Wirbelsäule zerschmettert. Zumindest ist das unser erster Befund. Genaueres können wir natürlich erst nach der Obduktion sagen.«
Der Kommissar nickte wortlos und nippte an seinem Kaffee.
»Tod auf dem Friedhof. Dann hat er es ja nicht mehr weit. Schon ein seltsamer Wink des Schicksals.«
»Und da ist auch schon das Problem, Chef.« mischte sich Schmidt ein.
»Der Junge lebte in Sundwig. Er wird hier nicht beerdigt werden.«
Zimmermann trat gegen ein dickes Holzkreuz und besah es sich von allen Seiten.
»Die Tatwaffe?«
Die Beamten der Spurensicherung waren sich bei dieser Annahme ziemlich sicher.
»Wir werden noch prüfen, ob Splitter in der Wunde zu finden sind. Die Blutspuren auf dem Holz sind allerdings unübersehbar. Wir können aber nicht sagen, woher die Tatwaffe kommt. Es stammt definitiv nicht von diesem Friedhof.«
»Das ist richtig.« übernahm Schmidt alles Weitere.
»Unsere Leute haben bereits das ganze Gelände abgesucht und den zuständigen Pastor befragt. Wir stehen vor einem Rätsel.«
»Das Lösen von Rätseln ist meine Aufgabe. Überlasst das mir.«
Der Kommissar besah sich wieder den Tatort und begann zu grübeln.
»Das macht doch alles keinen Sinn. Wer erschlägt bei diesem Wetter sein Opfer mit einem ortsfremden Kreuz?«
Er trank den letzten Schluck Kaffee, bevor er den Becher achtlos zu Boden fallen ließ. Für den Müll war immer noch Schmidt zuständig.
»Ein Ritualmord?«, kam ein vorsichtiger Vorschlag eines Wachtmeisters.
»Ritualmord. Hm. Das passt einfach nicht. Es wurden keine Gräber geschändet, es finden sich keine anderen Anzeichen. Das passt einfach nicht. Es muss eine andere Erklärung geben.«
Schon fast hatte er sich damit abgefunden, die nächsten Stunden an diesem ungemütlichen Ort verbringen zu müssen. Genervt ließ der Kommissar seinen Blick über den Friedhof schweifen. Vielleicht konnte man die weiteren Ermittlungen in der kleinen Kapelle durchführen. Er konnte sich alle Ergebnisse von Schmidt ins Trockene bringen lassen. Dann würde wenigstens ein Beamter relativ trocken bleiben.
»Was ist das da unten an der Straße eigentlich für ein Menschenauflauf? Hat sich denn niemand darum gekümmert, die Schaulustigen zu verscheuchen?«
Sofort wollte einer der Wachtmeister zum Ausgang laufen. Doch dann wurde er von Zimmermann aufgehalten.
»Nicht nötig. Ich kümmer mich schon selbst. Wenn ich ein paar Meter laufe, bekomme ich wenigstens wieder warme Füße.«
Grummelnd ging er auf eine Gruppe Jugendliche zu. Es waren fünf von ihnen, um genau zu sein. Sie mochten alle um die sechzehn bis achtzehn Jahre alt sein und sahen ziemlich nervös aus.
»Hier stimmt doch was nicht.« murmelte der Kommissar leise vor sich hin, ohne dass es jemand hören konnte.
Langsam näherte er sich der Gruppe und legte ein ziemlich griesgrämigen Blick auf.›Ich weiß, was ihr letzte Nacht getan habt‹ schienen seine Augen zu sagen.
Es war mehr nur ein Gefühl, statt einer festen Annahme. Er sprach kein einziges Wort, sah die Jugendlichen nur unentwegt an, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken.
Besonders einer von ihnen wurde immer nervöser. Er blickte immer wieder seine Freunde unsicher an, bis er nicht mehr konnte.
»Es war ein Unfall, dass müssen sie mir glauben. Ich … ich wollte das nicht.« brach es aus ihm heraus.
»Was soll das heißen?« fragte Zimmermann mit einem scharfen Unterton.
Es sollte sich herausstellen, dass die Jugendlichen nach einer durchzechten Nacht auf die dumme gekommen waren, ein paar Rituale auf dem Friedhof zu zelebrieren, um die Toten aus ihren Gräbern zu holen. Geglaubt hatte keiner an den Quatsch, aber es hatte unglaublich viel Spaß gemacht. Bis … ja, bis Mike, der nun alles gestand, im Matsch ausrutschte und ihm das schwere Holzkreuz aus den nassen Händen rutschte. Marcel hatte zur falschen Zeit am falschen Ort gestanden. Das Kreuz traf ihn mit voller Wucht von Hinten. Noch bevor er in einer Pfütze gelandet war, war er bereits tot gewesen.
»Schmidt?« rief der Kommissar laut über den Friedhof.
»Ich hab den Fall gelöst. Es war ein Unfall. Nehmen sie die Jugendlichen mit und befragen sie sie danach. Ich hole mir jetzt noch einen Kaffee und ziehe mir trockene Socken an.«
Dann verließ er den Friedhof und verschwand in seinem Dienstwagen.

(c) 2013, Marco Wittler

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