Zimmermann ermittelt (7) – Kindergartentod [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 9. März 2014as , , , , , , , , , , , ,

Zimmermann ermittelt – Kindergartentod

Kommissar Zimmermann warf einen Blick in den wolkenlosen Himmel über der Pastoratstraße und genoss die warmen Strahlen der Sonne auf seinem Gesicht. Dann nahm er den letzten Schluck Kaffee und warf den Pappbecher achtlos weg.
»Ist das nicht herrlich?« fragte er seinen Assistenten. Ohne eine Antwort abzuwarten sprach er weiter.
»Ich liebe die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem langen, harten Winter.«
Inspektor Schmidt musste lachen.
»Langer, harter Winter? Es hat nicht mal geschneit. Ich musste keine fünf Mal die Scheiben an unserem Dienstwagen frei kratzen. Das war doch kein harter Winter.«
Der Kommissar schnaubte verächtlich.
»Ich musste die Heizung anwerfen und habe zwei paar Socken getragen. Er war also hart genug.«
Sie betraten den Tatort und sahen sich um. Sie waren offensichtlich die einzigen Ermittler. Weitere Polizeibeamte waren nicht zu sehen.
»Da sind sie ja, meine Herren. Wir erwarten sie schon.« rief ihnen eine aufgeregte Dame entgegen.
»Ich habe versucht, den Tatort so unberührt zu halten, wie es nur ging. Aber hier sind so viele neugierige Augen, dass es nahezu unmöglich war, alles im Originalzustand zu halten.«
Zimmermann seufzte. Er arbeitete nur ungern mit Amateuren zusammen. Aber in diesem Fall würde es sich leider nicht vermeiden lassen.
»Ich hoffe, dass es hier auch Kaffee gibt. Ohne einen ordentlichen Kaffee kann ich nicht arbeiten.«
Die Dame nickte, verschwand hinter einer Tür und kam kurz darauf mit einer dampfenden Tasse zurück.
»Sie sind aber gut vorbereitet.« wurde sie gelobt.
»Naja, ihre Vorliebe für Kaffee hat sich bereits im Dorf herumgesprochen.«
Der Kommissar nahm die Tasse dankbar entgegen, genehmigte sich einen Schluck und schloss für einen Moment genießerisch die Augen.
»Dann wollen wir uns mal den Tatort ansehen. Wo liegt die Leiche?«
Sie gingen zu dritt in einen kleinen Saal, der aus drei Glas- und einer normalen Wand bestand. Genau in der Mitte des Raumes lag das Opfer.
»Das sieht ja grässlich aus.« war Schmidt schockiert und konnte sich nur mühsam beherrschen. Nur zu gern hätte er sich die Augen zugehalten.
»Schreiben sie mit, Inspektor.« befahl Zimmermann und beugte sich langsam hinab.
»Das Opfer ist augenscheinlich tot. Sowohl Arme, als auch die Beine stehen in völlig unnatürlichen Winkeln vom Körper ab. Ich gehe davon aus, dass sie jeweils mindestens einmal gebrochen sind. Die Haut wurde an den Extremitäten und auch am Bauch gewaltsam aufgerissen. Teilweise hängt das Innere, die Gedärme heraus. Es sieht so aus, als hätte sich ein wildes Tier ausgetobt.«
Schmidt war fertig mit den Nerven. So etwas Schlimmes hatte er in seiner gesamten Laufbahn bei der Kripo nicht gesehen. Nur mit größter Mühe konnte er seinen Mageninhalt bei sich behalten.
Inzwischen tauchten von überall her neugierige Augen auf. Es mussten mindestens einhundert Personen sein, die den Saal betreten hatten. Weitere sahen neugierig durch die Scheiben herein.
»Sie kommen alle rechtzeitig, meine Damen und Herren.« begrüßte Zimmermann die Neuankömmlinge.
»Ich bin kurz davor, den Fall zu ihrer vollen Zufriedenheit zu lösen.«
»Er holte ein Paar Gummihandschuhe aus seiner Manteltasche, zog sie sich über und verfrachtete die einzelnen Teile der Leiche in einen Sack.
»Das werden wir alles für die Spurensicherung konfiszieren müssen. Das geht ins Labor, damit wir durch eine Speichelprobe den Täter ermitteln können.«
»Aber das ist doch mein Teddy. Ihr dürft mir den nicht wegnehmen.« rief ein weinendes Mädchen aus der Menge.
Zimmermann lachte und winkte die Kindergartenkinder näher zu sich.
»Keine Sorge, mein Kind. Wir werden den Teddy zu einem meiner Freunde bringen, der ihn wieder richtig gesund macht. Bis dahin leihe ich dir meinen Teddy. Der wird gut auf dich aufpassen, bis deiner wieder zurück ist.«
Der Kommissar überreichte dem Mädchen einen alten, abgegriffenen Teddybären, den es strahlend an sich drückte.
»Und jetzt zum Täter.« murmelte Zimmermann und sah sich um.
Einen Moment entdeckte er auf dem Hof des Kindergartens eine herrenlose Hundeleine samt Halsband.
»Gehört dort nicht ein Hund hinein? Oder täusche ich mich da?«
Die Leiterin des Kindergartens wurde rot im Gesicht und flitzte zur Eingangstür.
»Oh nein. Berry, wo bist du?«
In diesem Moment kam ein großer Bernhardiner gemütlich aus einer Ecke geschlurft. An seinem Maul hingen sogar noch die letzten Fetzen des Teddybären.
»Damit dürfte der Fall wohl gelöst sein. Der Täter ist entlarvt.«
Kommissar Zimmermann verneigte sich und bekam großen Applaus von allen Kindergartenkindern.

(c) 2014, Marco Wittler

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