Zimmermann ermittelt (17) – Zimmermanns emotionalster Fall [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 3. April 2015as , , , , , , , , , , , , , , ,

Zimmermanns emotionalster Fall

Im Büro der hemeraner Kriminalpolizei klingelte das Telefon. Wie immer war Inspektor Schmidt der erste am Apparat. Das lag aber auch nur daran, weil sein direkter Vorgesetzter, Kommissar Zimmermann, kein Interesse daran hatte, sich in ein Gespräch zu begeben. Er hielt sich lieber an seiner alten Tasse fest und schüttete in regelmäßigen Schlucken starken Kaffee in sich hinein.
»Hm… Ja… Verstehe…« Schmidt kommentierte alle paar Sekunden das Gehörte, bis er schließlich auflegte.
»Das war die Zentrale. In Deilinghofen am Brockhauser Weg hat eine Frau eine mit Blut verschmierte Leiche gefunden. Die Streife ist bereits unterwegs, um den Tatort zu sichern.«
Der Kommissar setzte seine Tasse ein letztes Mal an und leerte seinen Kaffee und stand auf. Während er seinen abgetragenen Mantel überzog gab er bereits die ersten Anweisungen.
»Brockhauser Weg trifft sich gut. Dann werden wir einen Zwischenstopp beim Café an der Hönnetalstraße einlegen. Ich brauche mehr Koffein.«

Eine Viertelstunde später waren sie auch schon vor Ort.
»Glauben sie wirklich, dass es eine gute Idee war, die Dame im Café zu beschimpfen, weil sie keinen 1,5 Liter To Go Becher hat?« fragte Schmidt. »Wir können von Glück sagen, dass sie wegen ihnen überhaupt Pappbecher im Sortiment haben.«
Der Kommissar antwortete nicht darauf und stieg aus seinem Dienstfahrzeug aus. Draußen begegneten ihm zwei Polizeibeamte, die sich gerade wieder in ihren Wagen setzen wollten.
»Die Alte hat sie doch nicht alle. Will uns wohl auf den Arm nehmen.«
»Was ist denn hier los?« erkundigte sich Zimmermann in einem strengen Tonfall.
»Schauen sie sich das doch selbst an. Wir werden hier jedenfalls nicht mehr gebraucht.«
Und schon fuhren sie los.
»Irgendwas ist hier ziemlich faul. Schmidt, kommen sie. Wir müssen uns die Sache anschauen.«
Sie klingelten. Ein paar Sekunden später wurde ihnen geöffnet. Eine völlig aufgelöste Frau mittleren Alters öfnete ihnen die Tür. Ihre roten Augen verrieten, dass sie eine ganze Weile geweint haben musste und dies wohl auch wieder tun würde.
»Kommissar Zimmermann, Kriminalpolizei. Das hier ist mein Assistent Inspektor Schmidt. Dürfen wir rein kommen?«
Sie ließ die Männer eintreten und geleitete sie zunächst in ihre große Küche.
»Es ist so grausam. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas jemals passieren würde. Ich habe mich unglaublich erschreckt, als ich es entdeckt habe. Wie kann ein Mensch nur so grausam und skrupellos sein? Ach was, so etwas macht kein normaler Mensch, das machen nur gefühllose Monster.«
Der Kommissar seufzte. Es war absolut nicht sein Ding, die aufgewühlte Gefühlswelt von Hinterbliebenen zu glätten. Dafür hatte er eigentlich seine Leute. Aber die waren nicht mehr da. Er stand auf, zog den Inspektor mit in den Flur und erklärte ihm, wie es nun weiter gehen sollte.
»Schmidt, kümmern sie sich um die Frau. Reden sie mit ihr, dass sie sich wieder beruhigt. Ich werde mich hier ein wenig umsehen. Ich glaube, dass ich auf eigene Faust weiter kommen werde.«
Er warf in jeden Raum einen Blick, konnte aber weder eine Leiche, noch Kampf- oder Blutspuren entdecken. Alles in diesem Haus sah auf den ersten Blick so aus, wie es sein sollte. Verwirrt kehrte er nach ein paar Minuten in die Küche zurück.
»Mal ehrlich, wo soll hier ein Mord geschehen sein? Ich kann beim besten Willen nichts entdecken, dass auf eine Tat jeglicher Art hindeuten würde.«
Verwirrt setzte er sich wieder an den Küchentisch und nahm einen großen Schluck aus seinem Kaffeebecher.
»Waren sie denn gar nicht auf der Terasse draußen? Dort hat sich das Verbrechen abgespielt.« erklärte die Augenzeugin.
Zimmermann seufzte und erhob sich wieder. »Das hätten sie auch gleich sagen können. Wir sind zwar von der Kriminalpolizei, können aber trotzdem nicht hellsehen.«
Er schlurfte durch das Wohnzimmer, zog sich einen Gummihandschuh über und öffnete die Terassentür. Als er nach draußen trat, blieb er abrupt stehen. Es dauerte einen Moment, dann erbebte sein gesamter Körper. Er schien von den Haarspitzen bis zu den Zehen zu zittern. Der Kommissar sackte in sich zusammen und begann zu weinen.
»Nein. Nein! Das darf nicht wahr sein. Warum nur? Warum?« brachte er mühsam hervor.
Schmidt war verwirrt. So hatte er seinen Vorgesetzten noch nie erlebt. Wie grausam musste diese Tat sein, dass er so reagierte. Er trat hinter Zimmermann und versuchte, einen Blick auf den Tatort zu werfen. Was er dort sah verschlug ihm die Sprache. Doch dann musste er laut lachen.
Wütend drehte sich der Kommissar um und glühte seinen Kollegen mit rot unterlaufenen Augen an.
»Machen sie sich etwa lustig? Das hier ist ein unverzeihliches und grausames Verbrechen.«
Vorsichtig nahm er das Opfer in seine Hände und hob es hoch.
»Das ist hier ist der BVB Schokoladenosterhase. Er wurde mit einem Messer umgebracht. Die Tatwaffe steckt noch in seinem Körper. Das ist eine Beleidigung an alle Borussen dieser Welt. Wir müssen unbedingt den Täter finden und ihn zu Strecke bringen. Das kann nur ein Blauer gewesen sein.«
Er sah sich nach allen Seiten um und entdeckte nach nur wenigen Sekunden, was er suchte.
»Da ist er.«
Zimmermann war sofort auf den Beinen, lief zur anderen Seite der Terasse und schnappte sich den Schokoladenosterhasen im blauen Dress.
»Du wirst nie wieder jemanden ermorden. Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen.«
Er zog ein Taschenmesser aus seinem Mantel und stach erbarmungslos zu.
»Nimm das, du Übeltäter.«
Dann zog er ihm das Trikot vom Leib, biss ihm den Kopf ab und kaute zufrieden vor sich hin.
»Fall gelöst.« schmatzte der Kommissar. »Wir können zurück ins Büro fahren.

(c) 2015, Marco Wittler

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