Zimmermann ermittelt (18) – Vatertagstod [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 15. Mai 2015as , , , , , , , , , , , , , , ,

Vatertagstod

Ein Blick auf das aktuelle Kalenderblatt verriet den heutigen Tag. Es war der 14. Mai. Himmelfahrt.
»Und mal wieder dieser idiotische Vatertag.« grummelte Kommissar Zimmermann vor sich hin, während er mit einem großen Becker Kaffee hinter dem Küchenfenster stand und nach draußen sah. Alle paar Minuten zog eine Gruppe ‚Väter‘ gröhlend mit Bollerwagen, lauter Musik und Fässern voller Bier bewaffnet an seinem Haus vorbei. Der Balver Weg war zwar steil, eignete sich aber gut, um in den nahen Wald zu kommen. Teilweise sahen die Männer dort unten deutlich jünger als echte Väter aus.
»Denen geht’s doch nur noch um ein großes Besäufnis. Das Wandern ist nur Mittel zum Zweck.«
Er nahm wieder einen Schluck aus seinem Kaffeebecher, spuckte diesen aber erschrocken gegen das Fenster, als er sah, wie ein ‚Wanderer‘ auf dem Weg zusammenbrach.
Sofort scharrten sich die anderen Männer um ihren Kumpel. Helfen konnte offensichtlich keiner von ihnen, denn sie fühlten keinen Puls, riefen keinen Notruf. Sie versuchten stattdessen den Mann wieder auf die Beine zu bringen, was ihn seinem ohnmächtigen Zustand unmöglich war.
Zimmermann sah sich schnell um und fand sein Handy auf dem Küchentisch. Während er die 112 tippte, kippten auch die anderen Wanderer einer nach dem anderen um. Nur ein einziger blieb stehen.
»Ich werd nicht mehr. Was zum Teufel geht dort vor sich?«
Er benachrichtigte den Notarzt und rief anschließend seinen Kollegen an.
»Schmidt, kommen sie sofort zu mir. Ich glaube, es gibt Arbeit.«

Ein paar Minuten später standen Kommissar Schmidt und Inspektor Schmidt auf dem Weg und sahen dem Notarzt zu, der nur noch den Tod von fünf Männer feststellen konnte.
»Ist ihnen irgendwas komisch vorgekommen, während sie gewandert sind?« befragte der Kommissar den einzig Überlebenden.
»Wir haben uns nur bei mir zu Hause getroffen, haben den Bollerwagen hergerichtet und sind los gezogen. Mehr weiß ich doch auch nicht.«
»Aber wie kommt es, dass alle anderen tot auf dem Asphalt liegen, während sie als einziger überlebt haben?« hakte Schmidt misstrauisch nach.
Der Mann zuckte mit den Schultern und sah verzweifelt auf seine Freunde.
Zimmermann hockte sich indessen neben den Notarzt. »Können sie schon etwas sagen? Vielleicht irgendeine Vermutung, was passiert sein könnte?«
Auch der Arzt zuckte mit den Schultern. »Ich kann nur alle Arten von natürlichen Todesursachen ausschließen. Dabei stirbt im Normalfall keine ganze Gruppe. Für alles andere muss der Pathologe ran. Ohne Autopsie werden wir hier nur Vermutungen anstellen können, die alles ins Leere gehen werden. Tut mir Leid.«
Der Kommissar stand auf und schüttelte den Kopf. »Was ist eigentlich mit Kollege Zufall? Lässt der mich heute im Stich?«
Er setzte seinen Kaffeebecher zum Trinken an, den er sich mitgebracht hatte. Allerdings war der Kaffee bereits leer.
»Verdammt. Wie soll man sich denn konzentrieren können, wenn ich keinen Kaffee mehr habe und hier irgendwer Marzipan vor mir versteckt hat? Wer nascht hier am Tatort, ohne mir etwas abzugeben?«
Er sah sich um, konnte aber keinen Süßkram entdecken.
»Ich muss unterzuckert sein und leide an Geruchshalluzinationen. Schmidt, machen sie sich Notizen, Fotos und dann geht’s ab ins Büro. Wir brauchen ein Brainstorming. Nehmen sie diesen Mann hier mit. Wir brauchen ihn als Zeugen. Außerdem ist er tatverdächtig.«

Eine halbe Stunde später saßen Zimmermann und Schmidt im Büro und diskutierten über den Fall.
»Ich bin unzufrieden, Schmidt.« sagte der Kommissar. »Wir haben einen Feiertag und könnten zu Hause vor dem Fernseher sitzen oder etwas Spannendes lesen. Stattdessen müssen wir arbeiten. Außerdem kann ich mir nichts Süßes kaufen. Mir hängt noch immer der Marzipangeruch in der Nase. Ich kann deswegen kaum denken.«
»Marzipan?« entgegnete Schmidt. »Wie kamen sie auf das Marzipan.«
»Haben sie das denn nicht gerochen? Der Duft lag eindeutig über dem Tatort.«
»Tut mir Leid. Ich stand ein paar Meter abseits für das Verhör. Ich habe nichts wahrgenommen. Vielleicht hat es sich nur auf den Bereich der Toten beschränkt.«
»Das muss es sein. Ich kann mich irren. Aber ich glaube, wir sind gerade einen großen Schritt vorwärts gekommen.«
Der Inspektor verstand nur Bahnhof.
»Nicht drüber nachdenken. Holen sie die Fotos der Leichen auf ihren Bildschirm. Ich prüfe schnell etwas nach.
Ein paar Minuten später grinste der Kommissar über das ganze Gesicht. »Der Fall ist gelöst. Internet sei Dank. Ich würde sagen, wir fahren sofort nach Deilinghofen zurück. Auf uns wartet eine Festnahme.«

Sie standen vor einem Einfamilienhaus am Schoppenweg und klingelten. »Schoppen!« sinnierte Zimmermann. »Passender Name für eine Straße, wenn es um einen Mord geht, der mit Trinkern zu tun hat.«
Eine Frau öffnete die Tür. »Frau Stefanie Müller?« Sie nickte.
»Wir sind Komissar Zimmermann und Inspektor Schmidt. Kriminalpolizei. Sie sind vorläufig wegen Mordes festgenommen.«
Sie ließ betroffen den Kopf sinken, trat nach draußen und schloss die Haustür hinter sich.

»Wie sind sie darauf gekommen, das die Müller fünf Männer umgebracht hat. Und vor allem, wie hat sie es getan?« fragte Schmidt am Abend bei einem kühlem Glas Bier.
»Haben sie es denn noch immer nicht kapiert?« schüttelte Zimmermann den Kopf. »Es war der Duft des Marzipans. Oder sagen wir besser, er hat mich an Marzipan erinnert. Es war eigentlich das Aroma der Bittermandel. Den haben die Toten ausgeatmet, bevor sie gestorben sind. Dazu gerötete Haut. Beide Symptome hatte der Überlebende, der Ehemann der Mörderin, nicht gezeigt.
Sie hat die anderen Männer mit Blausäure vergiftet.«
»Blausäure?« fragte Schmidt ungläubig. »Da kommt man doch bestimmt nicht so ohne Weiteres dran.«
»Sie und ich vielleicht nicht. Aber Frau Müller arbeitet in einem Chemiewerk, nur ein paar Kilometer von hier entfernt. Sie wird sich was besorgt haben. Sie musste nur sicherstellen, dass ihr Mann überlebt.«
»Und wie hat sie das angestellt?«
»Ich habe mich noch einmal mit Herrn Müller unterhalten.« erklärte der Kommissar.
»Bier haben sie alle getrunken. Das scheidet aus. Es war Sonnenmilch. Seine Freunde haben sich eingecremt. Er selbst macht das nie. Er mag das Geschmiere auf der Haut nicht. Seine Frau wusste das. Also hat sie die Säure in die Sonnenmilch gemischt. Man kann dieses heimtückische Gift nämlich auch über die Haut aufnehmen. Sie hat es ihrem Mann nicht gegönnt auf Sauftour zu gehen, was noch nicht schlimm ist. Aber sie hätte lieber Meckern als Morden sollen.«
Schmidt schluckte. So etwas Kaltblütiges hatte er nicht erwartet.

(c) 2015, Marco Wittler

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