Zimmermann ermittelt (19) – Die fünf Skrupellosen [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 7. Juni 2015as , , , , , , , , , , , , , , , ,

Die fünf Skrupellosen

Die Nacht war schwül. Den ganzen Tag hatte die Sonne unbarmherzig vom Himmel gebrannt, sie unter sich aufgeheizt. Man fühlte sich wie in einer Sauna.
Nun zeigte die Uhr ein Uhr nachts. Eine merkliche Abkühlung hatte es aber nicht gegeben. Die Luft stand. Kein noch so kleiner Wind wehte. Das angekündigte und erhoffte Gewitter war etwas weiter im Norden am Sauerland vorbei gezogen. An Schlaf war nicht zu denken.
Aber Schlaf gab es für den hemeraner Kommissar Zimmermann eh nicht. Nur zu gern hätte er ein Auge zugemacht. Zuerst musste er sie finden. Dieses mordende Monster, dass seine Opfer völlig rücksichtslos überfiel und sie niederstach. Wobei es sich nicht nur um sie handelte. Der Kommissar sah sich einer Übermacht gegenüber, der er scheinbar nicht Herr werden konnte. Mindestens fünf Täterinnen hatte er bereits durch seine unermüdlichen Recherchen ausfindig machen können. Allein die Festnahmen waren ihm bisher nicht gelungen.
Ein System schien es bei den Taten nicht zu geben. Sie suchten sich völlig wahllos ihre Opfer aus. Es traf Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Männer und Frauen, Arme und Reiche.
Das einzige, was Zimmermann mittlerweile mehr als eindeutig herausgefunden hatte, war das Motiv. Sie meuchelten aus reiner Lust und Gier. Es war Blut, das fließen musste. Hatten Sie erst zugestochen, ihre Opfer gnadenlos verletzt, versetzte es die Täterinnen in unglaubliche Verzückung. Wenn dann die aufgeschlitzten Adern pulsierend das warme Blut nicht mehr durch den Körper pumpen und befördern konnten, sondern durch die Haut laufen ließen, hatten Sie ihr Ziel erreicht.
»Ich werde euch kriegen.« grummelte der Kommissar in einer so schlechten Laune, wie er sie selten an sich selbst erlebt hatte. »Ich werde keine Einzige von euch über lassen. Ich werde nicht eher ruhen, bis ich jede von euch zur Strecke gebracht habe.«
Nervös wischte er sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn, die sich nur Sekunden später erneut bildeten. Mit seiner Waffe in der Hand schlich sich Zimmermann durch den langen, dunklen Flur.
»Irgendwo müssen sie doch sein. Ich habe sie gehört und gesehen. Sie können nicht so einfach entkommen sein.«
Schmerzlich dachte er an die vielen Wunden, die sie auch ihm bereits zugefügt hatten. Der Kommissar war nur für kurze Zeit unaufmerksam gewesen. Er hatte sich in dieser langen Nacht nicht mehr wach halten können, hatte den süßen Verlockungen des Schlafes nachgegeben. Die Anstrengungen des langen, heißen Tages hatten ihn völlig ausgelaugt. Irgendwann hatte er sich einfach nicht mehr auf den Beinen halten können.
Diesen kurzen Moment der Schwäche hatten Sie sofort ausgenutzt, waren über ihn hergefallen und hatten seine verletzliche, von der Sommersonne gegerbte Hülle aufgeschlitzt.
»Ich werde mich an euch rächen. Hört ihr mich?« brüllte Zimmermann in die Dunkelheit hinein.
»Ich werde euch umbringen. Ganz egal, was es mich kosten wird. Eine nach der anderen, wenn es sein muss. Ich werde euch alle Körperteile einzeln ausreißen. Und wenn ihr dann nicht mal mehr kriechen könnt, zertrete ich euch unter meinen verdreckten Schuhen.«
Er lauschte in die Stille der Nacht hinein. Auf eine Antwort wartete er allerdings vergebens. Lediglich das Zirpen einzelner Grillen auf der Straße und das Brummen einer Stubenfliege, die ihre einsamen Runden um eine Lampe im Treppenhaus drehte.
In diesem Moment öffnete sich leise die Eingangstür. Inspektor Schmidt schlich sich hinein. Auch er hatte seine Waffe in der Hand. Er war zum allem bereit und entschlossen.
»Haben sie Sie schon gefunden?« flüsterte er.
Der Kommissar schüttelte den Kopf und brummte etwas Unverständliches.
»Es kann aber nicht mehr lange dauern. Viele Versteckmöglichkeiten gibt es nicht mehr. Ich bin ihnen ganz klar auf den Fersen.«
Sie teilten sich auf. Während Zimmermann das Wohnzimmer unter die Lupe nahm, wandte sich der Inspektor der Küche zu.
»Chef, Sie sind hier. Ich habe sie gefunden!« brüllte er plötzlich.
»Still! Seien sie verdammt nochmal leise!« herrschte ihn der Kommissar an. Wollen sie Sie aufschrecken? Dann kann ich mit der Suche von vorn beginnen.«
Auf leisen Sohlen schlich er sich zur Küche hinüber. Sein Blick entdeckte Sie sofort. Da saßen Sie. Zu Fünft hatten Sie sich am Küchentisch versammelt, als würden Sie nur auf ihren Jäger warten.
»Das war’s! Jetzt habe ich euch.« Zimmermann hob die Waffe. Es würde ihm eine Genugtuung sein, die ganze Bande auf einen Schlag zu erledigen.
Er ließ die Fliegenklatsche auf die Holzplatte knallen und zerquetschte damit die lästigen Mücken.
»Fünf auf seinen Streich.« kommentierte Schmidt das Geschehen mit sichtlicher Zufriedenheit.
»Fast so gut wie der Schneider.«
Dann verabschiedeten sie sich voneinander und konnten endlich den verdienten Schlaf nehmen.

(c) 2015, Marco Wittler

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